Kolumne „Mitten in ...“Ein Biergarten ist kein Klo

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Illustration: Marc Herold

Eine SZ-Redakteurin sitzt gemütlich beim Essen, als sich das Kleinkind am Nachbartisch die Windel herunterreißt und seinen Geschäften nachgeht. Ob sie es wagen soll, die Eltern anzusprechen? Drei Anekdoten aus aller Welt.

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Mitten in ... Unterföhring

Ausklang des Wochenendes im Biergarten am Poschinger Weiher – da passiert’s: Ein Bub reißt sich die Pampers runter und lässt es zwischen den Bänken einfach laufen. Seine Eltern essen seelenruhig weiter. Erst als der Kleine auch das große Geschäft nicht mehr halten kann, zerrt ihn die Mama zur Grünfläche und fängt das Malheur mit der Windel ab. Dabei ist das WC nicht weit. Uns vergeht so sehr der Appetit, dass wir sie ansprechen. Pampige Rückfrage: Ob man denn nicht wisse, dass der Sohn das windelfreie Dasein erst lernen müsse? Die Antwort, dass die eigenen Kinder nicht öffentlich stubenrein geworden seien, lässt sie nicht gelten. Da bereichert eine Grundschullehrerin das Gespräch: Sie habe Kinder erlebt, die den Papierkorb im Klassenzimmer mit der Kloschüssel verwechselten. Das ist dann wohl die „bedürfnisorientierte“ Erziehung. Sabine Wejsada

Illustration: Marc Herold

Mitten in ... Kuala Lumpur

Am Ende des Ganges steht „HOPP“. Das fällt natürlich sofort auf in diesem malaysischen Einkaufszentrum am Metro-Bahnhof Hang Tuah, das ansonsten nicht besonders interessant ist. In dem Gang sind die Toiletten untergebracht. Er verbindet zwei breite Ladenzeilen. Auf der entfernten Seite steht eine Flügeltür offen. Durch diese fällt der Blick auf die gegenüberliegende Wand. Und im Rahmen der Tür ist es deutlich zu sehen: Auf der Wand prangt das Wort HOPP. Was ist das? Ein Trampolin-Geschäft? Eine Hüpfburg-Ausstellung? Eine Hochsprung-Schule? Das muss sofort untersucht werden. Je näher ich der Flügeltür komme, desto mehr Buchstaben erscheinen. HOPPI. HOPPIN. HOPPING. Verheißungsvoll – bis schließlich das ganze Wort erscheint: SHOPPING. Auf der Wand wirbt das Einkaufszentrum fürs Einkaufen. Langweilig. Thomas Hahn

Illustration: Marc Herold

Mitten in ... Savoca

Die italienische Gastfreundschaft war einst legendär, hat aber im Zuge des Massentourismus und des „Menu turistico“, des Menüs nur für Reisende fußläufig zu einer Sehenswürdigkeit, wohl mancherorts gelitten. Da kostet die labbrige Pizza deutlich zu viel oder der Pastateller wird mehr auf den Tisch geknallt als serviert. Ganz anders läuft es in einem Ferienhäuschen unterhalb von Savoca auf Sizilien: Das kleine Bergdorf hat mehr Charme als das viel bekanntere Taormina und kommt ohne Insta-Fotospots und Luxusboutiquen aus. Und an einem Sonntagmittag bringen die italienischen Vermieter mit der ganzen Familie in einer kleinen Zeremonie eine riesige Portion frische „Pasta alla Norma“ vorbei. Die Teenager-Tochter wird zum Übersetzen vorgeschickt, eine Gegenleistung ist absolut unerwünscht. Menu fantastico! Nadja Lissok

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