USA„Der Stock hat etwa acht Stunden in mir gesteckt“
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Beim Bergsteigen rutscht David Cifaldi aus und wird von seinem Wanderstock aufgespießt. Doch anstatt den Rettungshubschrauber zu rufen, läuft er runter. 16 Kilometer, mit Stock im Oberkörper.
Interview von Joshua Beer
Ein sonniger Tag, kaum Wind, optimales Wanderwetter für David Cifaldi, 32, und zwei seiner Freunde. Am 20. Juli wollte das Trio den Granite Peak erklimmen, mit 3904 Metern der höchste Gipfel des US-Bundesstaats Montana. Nicht die anspruchsloseste Route– allein um zum Basislager zu kommen, braucht man sieben Stunden. Für die drei aber läuft alles wie am Schnürchen, bis Cifaldi ausrutscht und, man kann es nicht anders sagen, ungünstig auf seinen Wanderstock fällt: Das Ding bohrt sich einmal durch seine linke Seite. Cifaldi, ein gelernter Krankenpfleger, entscheidet sich, mit dem Stock im Oberkörper den Rückweg anzutreten. 16 Kilometer weit. Warum? Den Videocall mit der SZ macht Cifaldi aus dem Auto heraus, Ortszeit 7 Uhr morgens. Munter und ohne Stock in sich.
SZ: Sind Sie schon auf dem Weg zur Arbeit?
David Cifaldi: Ja, ich dachte, ich mache es hier, meine Frau schläft noch, und unsere Border Collies drehen immer durch, wenn ich am Telefon spreche.
Da Sie schon wieder arbeiten, nehme ich an, Ihnen geht es einigermaßen gut.
Die ersten Tage, nachdem sie den Wanderstock rausgenommen haben, waren wirklich schmerzvoll. Starke Schwellungen, viele Blutergüsse. Inzwischen fühle ich mich viel besser. Ein oder zwei Monate medizinische Behandlungen liegen noch vor mir, ich darf mich schon wieder normal bewegen. Dieses Wochenende will ich laufen gehen, ich trainiere für einen Marathon. Letztlich werden mir nur zwei große Löcher in meiner Seite bleiben.
Haben Sie den Wanderstock noch?
Nein, der wurde sozusagen massakriert beim Entfernen in der Notaufnahme. Das ist ein Trekkingstock mit Spannmechanismus, da sind eine Feder und ein Seil drin. Die Ärzte konnten die Spannung lösen und haben den Stock durchtrennt. Ich war aber eh nicht besonders scharf darauf, ihn zu behalten. Doch – so komisch es ist – ich habe seinen Zwilling gerade zufällig im Auto. (Cifaldi greift neben sich und hält ihn in die Kamera.)




