Gefahr von WaldbrändenWarum Bayerns Wälder mehr Laub brauchen

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Ein abgebrannter Kiefernwald im Nürnberger Reichswald bei Wendelstein in Mittelfranken.  Der Waldbrand dort wütete im Juni 2025.
Ein abgebrannter Kiefernwald im Nürnberger Reichswald bei Wendelstein in Mittelfranken.  Der Waldbrand dort wütete im Juni 2025. Foto: Ralf Staußberger/BN
  • Naturschützer und Grüne fordern wegen hoher Waldbrandgefahr eine Beschleunigung des Umbaus von Fichten- und Kiefernwäldern zu artenreichen Mischwäldern mit Laubbäumen.
  • In Bayerns Wäldern dominieren weiterhin Fichten mit 38,8 Prozent und Kiefern mit 16,9 Prozent.
  • Mischwälder mit Buchen, Ahorn und Eichen speichern mehr Feuchtigkeit und sorgen für ein kühleres Waldinnenklima als reine Nadelwälder.
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Fichten und Kiefern leiden besonders stark unter Hitze und Trockenheit - und sind deshalb anfälliger für Waldbrände als Laubbäume. Was sich nach Expertenansicht ändern muss.

Von Christian Sebald

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Die anhaltende Hitze und Trockenheit setzt den Wäldern überall in Bayern massiv zu. Praktisch überall herrscht hohe Waldbrandgefahr, in Teilen Unterfrankens wird am Wochenende sogar die höchste Warnstufe erwartet.  Und immer wieder werden Waldbrände gemeldet, bisher Gott sei Dank nur kleinere. Besonders gefährdet sind Kiefern- und Fichtenwälder, die für Hitze und Trockenheit und deshalb für Waldbrände besonders anfällig sind. Der Bund Naturschutz (BN) und die Landtags-Grünen fordern jetzt, dass die Staatsregierung den Umbau von Fichten- und Kiefernwälder zu artenreichen Mischwäldern mit vielen Buchen, Eichen und anderen Laubbäumen stark beschleunigen solle.

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„Wenn die Staatsregierung nicht endlich mehr Tempo beim Waldumbau macht, drohen uns südeuropäische Verhältnisse mit verheerenden Waldbränden“, sagt der BN-Chef Martin Geilhufe. „Mischwälder mit vielen Laubbäumen, naturgemäße Waldwirtschaft und mehr Jagd sind der beste Schutz gegen Brände und Waldsterben. Nur vitale Wälder liefern den Menschen gesunde Luft und sauberes Trinkwasser, sie schützen außerdem vor Hochwasser und Erosion, und sind natürliche Klimaanlagen.“

Ein artenreicher Mischwald  mit vielen Tannen, Buchen und Fichten wie hier am oberbayerischen Fendtberg ist sehr viel besser gegen Waldbrände gefeit als ein reiner Nadelwald aus Fichten oder Kiefern.
Ein artenreicher Mischwald  mit vielen Tannen, Buchen und Fichten wie hier am oberbayerischen Fendtberg ist sehr viel besser gegen Waldbrände gefeit als ein reiner Nadelwald aus Fichten oder Kiefern. Foto: Florian Peljak

Aus Sicht des BN reichen die bisherigen Waldumbau-Programme der Staatsregierung bei Weitem nicht aus, um die Gefahren durch die Klimakrise zu bannen, vor allem in den privaten Wäldern.  Dabei rühmt sich Forstministerin Michaela Kaniber (CSU) gerne, dass im Rahmen der Waldumbauoffensive der Staatsregierung seit 2020 gut 90 Millionen Bäume gepflanzt worden seien. Inzwischen sei jeder zweite junge Baum in Bayerns Wäldern ein Laubbaum, allein in den Privatwäldern seien 112 000 Hektar Nadelwald zu Mischwäldern umgebaut worden. Bis 2030 sollen es ungefähr 200 000 Hektar sein.

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Tatsächlich sind die Defizite aber nach wie vor enorm. Mit Anteilen von 38,8 Prozent und 16,9 Prozent dominieren in Bayerns Wäldern weiter Fichten und Kiefern. In den privaten Wäldern, die gut die Hälfte der Wälder im Freistaat ausmachen, sind ihre Anteile mit 45 und  18,3 Prozent sogar noch einmal deutlich höher. Der BN spricht von mehr als 620 000 Hektar reinen Nadelwäldern und weiteren „Hunderttausenden Hektar instabilen Wäldern“, die anfällig sind für Waldbrände. Sie liegen zumeist im Norden des Freistaats. „Auch die Millionen gepflanzte Bäumchen klingen beeindruckend“, sagt der BN-Waldexperte Ralf Straußberger. „Aber sie machen nur 0,4 Prozent des Jungwuchses in den bis zu 20-jährigen Wäldern hier in Bayern aus.“

Feuerwehrmänner bekämpfen im Juni 2025 einen  Waldbrand  im Nürnberger Reichswald bei Wendelstein.
Feuerwehrmänner bekämpfen im Juni 2025 einen  Waldbrand  im Nürnberger Reichswald bei Wendelstein. Foto: Jason Tschepljakow/dpa

Die Landtags-Grünen fordern mehr Förster. „Die Waldbesitzer brauchen jetzt Menschen an ihrer Seite, die sie beraten und den Waldumbau voranbringen“, sagt die forstpolitische Sprecherin der Fraktion, Mia Goller. „Unsere Förster leisten Brandschutz, bevor überhaupt Rauch aufsteigt.“ Nach Berechnungen der Grünen fehlen in Bayern bis 2030 rund 50 Förster, deren Stellen die Staatsregierung bereits zugesagt habe. Diese Lücke müsse schnell geschlossen werden, der Freistaat müsse das Geld dafür im nächsten Nachtragshaushalt bereitstellen.

Bei den Bayerischen Staatsforsten (BaySF) haben sie derweil die Beobachtung gemacht, dass Hitzeperioden alleine nicht der entscheidende Grund sind für die Waldbrandgefahr. Sondern weitere Faktoren dazukommen müssen. Ein wichtiger ist eben Trockenheit, insbesondere längere Trockenphasen. Das habe die Auswertung langfristiger Waldbrand- und Klimadatenreihen ergeben, teilte das Unternehmen mit, das die Staatswälder im Freistaat bewirtschaftet.

Das Jahr 2024 beispielsweise sei im Beobachtungszeitraum das bis dahin wärmste Jahr in Bayern gewesen, gleichzeitig aber eines der niederschlagsreichsten und mit nur wenigen Waldbränden vergleichsweise unauffällig, heißt es in der Mitteilung. Ganz anders 2026 mit seinen langen und intensiven Hitzeperioden und kleinen und auch größeren Waldbränden wie am Saurüsselkopf bei Ruhpolding. Auch in den Staatswäldern seien die bisherigen Waldbrände vergleichsweise glimpflich abgegangen. Man habe sie meist schnell unter Kontrolle gebracht, sagt Staatsforsten-Chef Olaf Hermes.

„Buche, Ahorn, Eiche und andere Laubbäume speichern während der Vegetationszeit mehr Feuchtigkeit als viele Nadelbäume“, sagt der Waldbau-Experte im BaySF-Vorstand,  Rudolf Plochmann. „Mischwälder sorgen dadurch häufig für ein kühleres und feuchteres Waldinnenklima als reine Nadelwälder und sind deshalb weniger leicht entzündlich.“ Die BaySF hätten alleine im vergangenen Jahr 7500 Hektar Nadelwald zu Mischwald umgebaut und dabei etwa 5,8 Millionen junge Bäume gepflanzt.

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