PsychologieJe früher Jugendliche soziale Medien nutzen, desto schlechter fallen ihre Schulleistungen aus

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In Australien dürfen Jugendliche erst ab 16 Jahren Social-Media-Accounts anlegen.
In Australien dürfen Jugendliche erst ab 16 Jahren Social-Media-Accounts anlegen. Irina Pavlova/IMAGO/Zoonar
  • Eine Studie mit über 5000 Schülern aus Norditalien zeigt: Je früher Jugendliche soziale Medien nutzen, desto schlechter sind ihre Schulleistungen.
  • Wer bereits in der sechsten oder siebten Klasse soziale Medien nutzte, hinkt in Italienisch und Mathematik um bis zu einem halben Jahr hinterher.
  • Die Forscher führen die schlechteren Leistungen darauf zurück, dass soziale Medien die Aufmerksamkeit und Konzentration der Schüler beeinträchtigen.
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Eine Studie mit mehr als 5000 Schülern zeigt: Der Lernerfolg kann bis zu sechs Monate hinterherhinken.

Von Sebastian Herrmann

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Die Leistungen in der Schule korrelieren mit dem Einstiegsalter in den Sog der sozialen Medien. Je früher sich ein Jugendlicher ein Konto bei Tiktok, Instagram, Snapchat, Facebook oder anderen entsprechenden Netzwerken erstellt, desto schlechter fallen seine Noten im Vergleich zu anderen aus, die diese Angebote noch nicht oder noch nicht so lange nutzen. Diesen Zusammenhang haben Forscher um Marco Gui von der Universität Mailand-Bicocca an einer Stichprobe von 5227 Schülerinnen und Schülern aus Norditalien beobachtet.

Wie die Wissenschaftler im Fachjournal Nature Human Behaviour berichten, geht eine im Vergleich frühere Nutzung sozialer Medien mit reduzierten Lernerfolgen in den Fächern Italienisch und Mathematik einher. Das führen die Forscher um Gui vor allem darauf zurück, dass die sozialen Medien beziehungsweise der Drang, diese ständig zu checken und deren Inhalte zu konsumieren, die Aufmerksamkeit und Konzentration beeinträchtigen. Die Leistungen in Englisch waren hingegen nicht beeinträchtigt, vermutlich, so das Team um Gui, weil auf sozialen Medien englischsprachige Inhalte allgegenwärtig seien.

Aktuell wird in vielen Ländern darüber diskutiert, ob gesetzliche Altersgrenzen für den Gebrauch sozialer Medien eingeführt werden sollten. In Australien gilt seit Dezember 2025 offiziell die Regelung, dass Zugänge zu diesen Angeboten erst ab einem Alter von 16 Jahren erlaubt sind. In Frankreich wurde kürzlich beschlossen, das Alterslimit auf 15 Jahre zu setzen. In anderen Ländern wird intensiv um vergleichbare Regeln gerungen. Im Fokus steht dabei in der Regel die psychische Gesundheit von Jugendlichen, wobei die Evidenzlage für die Effekte sozialer Medien auf das mentale Wohlergehen mindestens widersprüchlich ist. Dass permanentes Scrollen durch die Timelines von Tiktok und Co. Aufmerksamkeit bindet und die Konzentrationsfähigkeit beeinträchtigt, ist ebenfalls Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen und lässt sich im persönlichen Erleben jedes Nutzers vermutlich auch so beantworten: Ja, es stört.

„Die vorliegende Studie gehört methodisch zu den interessantesten.“

Die Forscher aus Mailand werteten nun die Leistungen von mehr als 5000 Jugendlichen aus und setzten diese in Beziehung zum Alter beziehungsweise der Jahrgangsstufe, in der die Schülerinnen und Schüler ihren ersten Social-Media-Account auf dem Smartphone hatten. Wer bereits in der sechsten oder der siebten Klasse soziale Medien nutzte, zeigte etwas schlechtere Leistungen in Italienisch und Mathe als jene, die das erst in der neunten Klasse oder später gemacht hatten. Der Lernerfolg hinkt um bis zu einem halben Jahr hinterher, wenn diese digitalen Angebote bereits früh in der Schulkarriere konsumiert wurden. Wer im Vergleich früh soziale Medien nutzte, blieb zudem häufiger sitzen. Um soziodemografische Effekte auszuschließen, verglichen die Forscher zudem Schüler, deren Eltern ein vergleichbares Bildungsniveau und ähnliche wirtschaftliche Voraussetzungen hatten und sich hauptsächlich darin unterschieden, in welchem Alter sie begonnen hatten, soziale Medien zu nutzen.

Die aktuelle Studie sei eine relevante Arbeit, sagte die Psychologin Yvonne Anders vom Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) in Frankfurt am Main dem Science Media Center (SMC). Auch Klaus Zierer, Ordinarius für Schulpädagogik an der Universität Augsburg, hebt positive Aspekte der Studie hervor: „Die vorliegende Studie gehört methodisch zu den interessantesten, die bislang in diesem Kontext veröffentlicht wurden“, sagte er dem SMC. Allerdings habe die Studie keine Kausalitäten untersucht, sondern lediglich Korrelationen beobachtet, so Zierer, der die Ergebnisse als Argument für die Einführung verbindlicher Altersbeschränkungen für die Nutzung sozialer Medien betrachtet.

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