Der Sommer ist noch lange nicht vorbei, aber bereits die Zwischenbilanz fällt heftig aus. Nun zeigt eine Studie, wie sehr die Erwärmung zu den Bränden beigetragen hat.
Es mag für Menschen in anderen Bundesländern schwer vorstellbar sein, aber in Baden-Württemberg und Bayern beginnen gerade erst die Sommerferien, also sozusagen die gefühlte Sommer-Kernzeit. Und was war dann das, was da hinter uns liegt, ein Vorspann? „Der Sommer, der Europa gebrochen hat“, titelte die New York Times in einem Newsletter.
Hitze und Trockenheit haben Folgen: Frankreich erlebt gerade die schwerste Waldbrandsaison seit Jahrzehnten, auch in Spanien brennt es auf riesigen Flächen. Mehr als 300 000 Menschen mussten in den beiden Ländern in den vergangenen Wochen ihre Häuser verlassen, um sich vor den Flammen in Sicherheit zu bringen.
Dass das alles mit der Klimakrise zu tun hat, liegt nahe. Europa ist der Kontinent, der sich am schnellsten erwärmt, um rund 2,5 Grad sind die Temperaturen hier im Vergleich zur vorindustriellen Zeit bereits gestiegen. Das entspricht auch etwa der Erwärmung in Deutschland, weltweit hingegen sind es im langjährigen Mittel erst rund 1,3 Grad. Dass es in Europa schneller geht, liegt an der Nähe zur Arktis, wo die Temperaturen noch stärker steigen, an veränderten Wettermustern und sauberer Luft, die mehr Sonneneinstrahlung durchlässt.
Der Klimawandel hat die Brände in Frankreich und Spanien viel wahrscheinlicher gemacht
In einer aktuellen Analyse hat ein internationales Team um Clair Barnes vom Imperial College London den Einfluss des Klimawandels auf die Brände in Frankreich und Spanien quantifiziert: In Frankreich hat die Erwärmung die Wahrscheinlichkeit für ein solches Ereignis demnach mindestens verdoppelt, in Spanien mindestens verzwanzigfacht. Die Forscher von der Initiative World Weather Attribution betonen, dass das konservative Schätzungen seien. Im heutigen Klima seien derartige Brände in Südwestfrankreich alle 20 Jahre und in Zentralspanien alle sechs Jahre zu erwarten. Ein wichtiger Treiber dafür seien nasse Winter, die zu üppigem Pflanzenwachstum führen, gefolgt von Trockenperioden im Frühjahr, in denen all die Vegetation austrocknet und Zunder für die Brände in heißen Sommern wird.
„Wir haben immer wieder gesehen, wie der Klimawandel heiße, trockene, leicht entzündliche Bedingungen verstärkt, die Brände sehr befördern“, sagt Hauptautorin Clair Barnes laut einer Pressemitteilung. Einzigartig sei, dass die Folgen so früh in der Saison deutlich wurden. Angesichts einer weiteren nahenden Hitzewelle seien diese Ergebnisse beängstigend. „Dieser Sommer ist tatsächlich extrem“, sagt auch die Geowissenschaftlerin Kirsten Thonicke vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. „Die Brände in Frankreich sind noch nicht gelöscht, da rückt schon die nächste Hitzewelle an: Das hat eine neue Qualität.“
Auch in Deutschland wurden am Donnerstag erneut Werte über 40 Grad erreicht. Der absolute Temperaturrekord ist bereits im Juni gefallen, 41,8 Grad in Möckern-Drewitz in Sachsen-Anhalt. Allein in den letzten beiden Juniwochen starben nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts in Deutschland 5000 Menschen aufgrund der Hitze, bis zum 19. Juli waren es demnach insgesamt 9800 Hitze-Todesfälle. Das ist mehr als in jedem einzelnen Gesamtjahr seit 2016.
Extremhitze sei längst kein Ausnahmeereignis mehr, sondern „eine der größten sozialen und gesundheitlichen Herausforderungen unserer Zeit“, sagte Michaela Engelmeier, Vorstandsvorsitzende des Sozialverbands Deutschland (SoVD), der Deutschen Presse-Agentur. Deshalb brauche Deutschland einen flächendeckenden und verbindlichen Hitzeschutz für alle Einrichtungen der öffentlichen Daseinsvorsorge und der kritischen Infrastruktur.
Beim Schutz vor Waldbränden fordern viele Experten daher ebenfalls dringend Anpassung; Kirsten Thonicke nennt etwa besseren Katastrophenschutz, mehr Prävention und langfristig einen Waldumbau hin zu Mischwäldern, die nicht so leicht Feuer fangen wie Monokulturen. Aber zugleich betont sie: „Das sollte wirklich der letzte Warnschuss sein, um zu merken, dass wir auf nationaler und europäischer Ebene mehr Klimaschutz brauchen, nicht weniger.“