Fast alle Teile des Unternehmens mit 2300 Jobs sind in der Insolvenz. Jetzt werden neue Investoren gesucht, möglicherweise droht aber auch eine Zerschlagung.
Die wechselhafte Geschichte begann vor 139 Jahren in Hagen in Nordrhein-Westfalen: 1887 wurde dort mithilfe von Banken eine Firma unter dem Namen AFAgegründet, die Akkumulatoren-Fabrik, die Batterien herstellte. Das Geschäft nahm bald Fahrt auf. Weltweit bekannt wurde schließlich der Markenname Varta, der ursprünglich mal eine Abkürzung für „Vertrieb, Aufladung, Reparatur transportabler Akkumulatoren“ war. Der Schriftzug in Dunkelblau-Gelb ist heute noch auf vielen Haushaltsbatterien zu finden.
„Die Marke Varta spielt bei der Sanierung eine wichtige Rolle“, sagt Tobias Wahl. Der Jurist ist Insolvenzverwalter, er hat sich auch schon um das Lufttaxi-Unternehmen Volocopter oder die Modekette Adler gekümmert. Sein Job ist es jetzt, Varta vor dem endgültigen Aus zu bewahren. Denn die Firma, die in Ellwangen in Baden-Württemberg sitzt, musste Ende Juli Insolvenzantrag stellen – zumindest für insgesamt vier Unternehmen der Gruppe, darunter die Muttergesellschaft Varta AG und die Knopfzellen-Tochter Varta Microbattery. Die profitable Haushaltsbatterien-Sparte, die unter dem Namen Varta Consumer Batteries firmiert, wurde kurz vorher ausgegliedert und soll aus der Insolvenz herausgehalten werden. Sie könnten nun von den Gläubigern übernommen werden, darunter Banken und Hedgefonds.
Der Großkunde Apple ist abgesprungen
Varta befindet sich bereits länger in der Krise. Vor zwei Jahren wurde die Firma schon einmal saniert, damals hatte es zuvor teure Fehlinvestitionen gegeben, die Schulden wurden immer größer. Doch dann verschlechterten sich die Marktbedingungen erneut, die Nachfrage, etwa nach Unterhaltungselektronik, wo Batterien gebraucht werden, ging zurück. Schließlich war auch Apple mit einem lukrativen Großauftrag abgesprungen, der US-Konzern hatte Knopfzellen für seine Airpods-Kopfhörer von Varta bezogen und wechselte zu einem Lieferanten aus China.
Der Sportwagenhersteller Porsche und der österreichische Unternehmer Michael Tojner nahmen die Firma von der Börse. Als die neuen Gesellschafter dann kein neues Kapital mehr bereitstellten, entstand eine „strukturelle Finanzierungslücke“, teilte der Insolvenzverwalter mit. Varta stellte beim Amtsgericht Stuttgart einen Insolvenzantrag. Eine ursprünglich geplante sogenannte Insolvenz in Eigenverwaltung scheiterte, damit kann sich eine Firma quasi selbst sanieren, unter Aufsicht des Insolvenzverwalters. Der Fall sei dafür zu komplex, hieß es zur Begründung. Varta-Vorstandschef Michael Ostermann und das Management haben damit formal kaum mehr etwas zu sagen, Ostermann soll aber dabei bleiben, hieß es.
Nun soll erst einmal der Geschäftsbetrieb stabilisiert werden, teilt Sanierer Wahl mit. Er wolle dafür sorgen, dass dieser „möglichst ohne Einschränkungen weiterläuft“. Das Team sei „sehr motiviert“. Bei den vier von der Insolvenz betroffenen Unternehmensteilen arbeiteten dem vorläufigen Insolvenzverwalter zufolge etwa 2300 Menschen, der Umsatz erreichte 2024 immerhin etwa 800 Millionen Euro. Ihm gehe es um den Erhalt des Unternehmens und möglichst vieler Jobs, sagt Wahl. Aber auch eine Zerschlagung ist möglich.
Haushaltsbatterien der Marke Varta: Die Sparte befindet sich nicht in der Insolvenz. Bernd Weißbrod/dpa
Grundsätzlich sieht der Sanierer jedenfalls gute Chancen. „Der Markt für Energiespeicher ist unverändert eine Zukunftsbranche“, teilt er mit. Varta verfüge über umfangreiches Know-how und Kundenbeziehungen in aller Welt, auch wegen der starken Marke. Die Vorbereitungen für einen strukturierten Verkaufsprozess würden jetzt anlaufen. Es gebe bereits „eine erfreulich große Zahl“ von Interessenten. Wer das sein könnte und ob es sich um Finanzinvestoren oder Industrieunternehmen handelt, ist aber offen. „Unser Ziel bleibt eine langfristige und tragfähige Lösung für die Varta-Gruppe“, betont Wahl.
Es ist übrigens bei Weitem nicht die erste Existenzkrise von Varta. Schon in den 1990er-Jahren wurde das Unternehmen, damals noch mit Sitz in Hannover, aufgespalten, Unternehmensteile wurden abgegeben, am Ende stand die Zerschlagung. Doch dann fing Varta neu an, kaufte einige Teile zurück und ging dann sogar im Jahr 2017 an die Börse. Damals gab es zeitweise eine große Nachfrage nach wiederaufladbaren Batterien. Die Produktion wurde erweitert, neue Batterien wurden entwickelt. Doch der Erfolg stellte sich nicht ein. Den Überlebenskampf kennen sie also bei Varta.
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