BankenEZB winkt Commerzbank-Übernahme wohl durch

|Lesezeit: 2 Min.

|
Kommentare
Das  Logo der Commerzbank an einer Filiale. Unicredit hat sich mit einem Aktien-Tauschangebot jüngst 48 Prozent der Anteile an der Frankfurter Bank gesichert.
Das  Logo der Commerzbank an einer Filiale. Unicredit hat sich mit einem Aktien-Tauschangebot jüngst 48 Prozent der Anteile an der Frankfurter Bank gesichert. Thilo Schmuelgen/REUTERS

Es gibt einige Bedenken, doch die Europäische Zentralbank wird der Übernahme der Commerzbank durch die italienische Unicredit wohl dennoch zustimmen. Das geht aus einem vertraulichen Dokument hervor.

  • Artikel druckenDrucken
SZ bei Google bevorzugen

Die Europäische Zentralbank (EZB) sagt trotz einiger Bedenken gegen das Vorgehen der italienischen Unicredit bei der Commerzbank wohl „Ja“ zur Übernahme des Frankfurter Geldhauses. In einem Reuters vorliegenden vertraulichen Dokument kommt die EZB zu der vorläufigen Einschätzung, dass es „keinen Grund zur Ablehnung“ der Kontroll-Übernahme der Italiener bei der Commerzbank gebe. Unicredit hatte sich mit einem Aktien-Tauschangebot unlängst 48 Prozent der Anteile an der Frankfurter Bank gesichert – trotz erbitterten Widerstands von deren Vorstand und der Bundesregierung. Die EZB warnt in dem Dokument aber davor, dass ihr ein „herausfordernder und langwieriger“ Integrationsprozess bevorstehe. Vor allem die deutsche Finanzaufsicht Bafin fordert von Unicredit eine Strategie, um das Vertrauen von Management, Mitarbeitern und Politik zurückzugewinnen.

Das als „vertraulich“ gekennzeichnete Dokument war im Juni im Aufsichtsgremium der EZB besprochen worden, in dem Vertreter der Finanzaufsicht innerhalb der Notenbank und der nationalen Aufsichtsbehörden sitzen. Den Vorsitz dort hat die Deutsche Claudia Buch. Der Präsentation zufolge hatte Unicredit damals noch nicht alle nötigen Unterlagen eingereicht - inzwischen hat sie einem Insider zufolge Daten nachgereicht. Die endgültige Prüfung sei für September oder Oktober geplant und dürfte Ende des Jahres abgeschlossen sein. Die Genehmigung der EZB gilt als die größte Hürde, die Unicredit bei der Übernahme zu überwinden hat. Die Notenbank hat mehrfach bekräftigt, dass sie grenzüberschreitende Bankenfusionen für tauglich hält, den EU-Binnenmarkt zu stärken. EZB-Vize Luis de Guindos hatte sogar per Interview mit der Financial Times mitgeteilt, die Bundesregierung solle sich nicht gegen eine Übernahme der Commerzbank positionieren. Europa brauche große Banken – ein ungewöhnlicher Vorgang noch vor der eigentlichen aufsichtsrechtlichen Prüfung der Transaktion.

Sprecher von EZB, Unicredit und Bafin wollten sich nicht zu den Informationen äußern. In der Sitzung übte vor allem die Bafin Kritik an Unicredit, wie aus dem Dokument hervorgeht. Unter anderem ging es dabei um das „aggressive und teilweise intransparente“ Verhalten der Italiener während Anteilserwerbs. Das als feindlich erachtete Vorgehen habe das Management der Commerzbank, ihre Belegschaft, Arbeitnehmervertreter und Politik befremdet. Unicredit brauche eine glaubwürdige Strategie, um dem entgegenzuwirken. Zudem monierten die Bonner Aufseher „bekannte Schwächen“ innerhalb von Unicredit und forderten eine Stärkung des Verwaltungsrats. Die EZB habe den Einschätzungen weitgehend zugestimmt. Sie rechtfertigten es aber nicht, die Transaktion zu untersagen. Die Bafin hatte das Vorgehen von Unicredit auch öffentlich gerügt.

Schwierigkeiten bei der Integration der Commerzbank dürften nach Einschätzung der EZB deren Größe und Komplexität verursachen, aber auch die kulturellen Unterschiede zwischen den beiden Banken und die Spannungen infolge des feindlichen Vorgehens. Daraus ergäben sich wesentliche Umsetzungsrisiken. Die Pläne von Unicredit seien gemessen daran noch zu wenig detailliert.
Die mangelnden internen Kontrollmechanismen seien von den Aufsehern in Italien bereits angesprochen worden.

Seit der Amtsübernahme von Andrea Orcel 2021 hat Unicredit die Entscheidungsbefugnisse des Vorstandschefs bei Fusionen und Übernahmen deutlich ausgeweitet. Inzwischen fordert der Verwaltungsrat wieder häufigere Informationen, was Orcel dem Vernehmen nach für zeitraubend hält. Auch hat die Bafin Versäumnisse bei der deutschen Unicredit-Tochter Hypovereinsbank (HVB) bei der Bekämpfung von Geldwäsche angepragnert, die laut EZB aber offenbar bereits angegangen wurden.

© SZ/Reuters - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite