Ladies & GentlemenAuf dem grünschwarzen Hügel

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IMAGO/APress International; Bearbeitung: SZ

Erst schwitzen, dann lange sitzen: Auf dem roten Teppich bei den Bayreuther Festspielen präsentieren sich Philipp Amthor und seine Partnerin  Carlotta Voß ganz klassisch.

Von Julia Werner und Max Scharnigg

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Für sie: Musenkuss

Wie geht man nach Bayreuth, wenn man jung ist und keinen Seidentaft tragen möchte? Es gäbe viele Möglichkeiten, unzählige coole Hosenanzüge zum Beispiel, oder ein lässiges semitransparentes Kleid, was man jetzt eben so trägt, wenn man unter 50 ist. Aber irgendwie scheinen die Festspiele jungen Damen eine gewisse Furcht einzuflößen. Jedes Jahr aufs Neue wirkt es so, als müsse sich modetechnisch unbedingt in einem extrakonservativen Rahmen bewegt werden. Schon klar, mit Merz, Söder, Merkel und dem bayerischen Adel herrscht auf diesem roten Teppich nicht unbedingt MTV-Awards-Vibe. Aber wir verlangen von der neuen Generation trotzdem ein wenig mehr Punkrock! Der Look von Carlotta Voß, der Partnerin des lustigen CDU-Politikers Philipp Amthor, sieht auch nur für die oben genannten Gäste jung und frech aus – wegen all des goldfarbenen Klimperschmucks und des tiefen Ausschnitts. In Wahrheit ist das Kleid, gekauft beim mittelpreisigen Label Ba&sh, wie die Gala weiß, zu kurz. Wenn schon Robe, dann muss sie unbedingt auf dem Boden aufliegen, was mit flachen Sandalen wahrscheinlich funktioniert hätte, aber nicht mit diesen wirklich atemberaubend stilbrechenden Pumps mit Leoparden-Print. Die 33-Jährige promovierte, weiß der Stern, über den antiken griechischen Historiker Thukydides, gut möglich also, dass sie ihr wissenschaftlicher Background zu diesem Greek-Goddess-Outfit verführt hat. Er ist nicht modern, es ist ein kleines bisschen verunglückt, es ist zusammengefasst: ein perfekter Bayreuth-Look.

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Für ihn: Abschlussschwäche

Es gibt Stationen seines Berufsalltags, in denen Philipp Amthor weiterhin seltsam deplatziert wirkt. Wenn er hemdsärmelig sein oder unter Beweis stellen soll, dass er immer noch erst lockere 33 Jahre alt ist. Nicht, dass ihm die Jugendlichkeit komplett fehlt, er strahlt sie nur einfach von Beginn seines öffentlichen Erscheinens an nicht aus. Dafür kann er nichts, aber die Öffentlichkeit auch nicht. Andererseits ist nun ein Termin wie die Premiere in Bayreuth ein Programmpunkt, der ihm einwandfrei zu Gesicht steht. Man kann sich ja gut vorstellen, dass Amthor schon als Säugling eine Spieluhr mit dem Walkürenritt im Gitterbettchen liegen hatte. Jedenfalls, das etwas Altväterliche und Eichenblättrige Wagners harmoniert mit Amthors Phänotyp und mit seiner Vorliebe für klassische Herrengarderobe. Das ist ja sowieso das Gute an den Konservativen, dass sie in Bezug auf Manschettenknöpfe und Schuhwichse meistens solide Grundkenntnisse mitbringen. Kenntnisse, die zu erlernen manchen Sozialdemokraten und Grünen wiederum bis in hohe Ämter seltsam schwerfällt. Bei Amthor aber sitzt der Smoking, und die Lackschuhe glänzen. Die Accessoires sind ein bisschen großzügig ausgelegt, das jacobäische Floralmuster der Fliege und das hellgraue Seidentuch bilden obenrum schon ein etwas seltsames Gespann. Letzteres soll vielleicht mit den hellen Söckchen harmonieren, die zwischen Hosenbein und schwarzem Lackschuh leider gut zu erkennen sind. Die aber sind tatsächlich ein Fauxpas und ein Sockenfehler, der nicht zu entschuldigen ist und in jeder anständigen Studentenverbindung streng moniert würde. Welche Walküre hat Amthor denn da geritten? Oder ist das etwa einfach mit seiner Jugend zu entschuldigen?

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