Reit-WMSo wie er redet, reitet er auch
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Er wurde von einer Olympiasiegerin entdeckt und ist mit Markus Söders Tochter liiert: Raphael Netz gibt bei der Reit-WM sein Debüt im deutschen Dressurteam – und überzeugt mit seinem Gefühl im Sattel.
Von Gabriele Pochhammer, Aachen
Am Ende seines gelungenen Grand-Prix-Rittes auf Camelot hatte Raphael Netz das Bedürfnis, Danke zu sagen. All denen, die ihm diese Premiere in einem deutschen Championatsteam ermöglicht hatten, vor allem aber seinem Pferd. Der holländische Wallach blieb gelassen im großen Aachener Stadion; falls er doch mal zum riesigen Screen schielte, genügte „eine kleine Hilfe von mir, um ihn wieder aufmerksam zu machen“. Fast alles gelang gut, nur bei den Galoppwechseln von Sprung zu Sprung verhedderte sich Camelot. „Das war meine Schuld, ich habe meine Technik umgestellt, und da war er einen Moment verwirrt“, sagte Netz.
Doch als die Endnote (73,338 Prozent) durchgegeben wurde, das Publikum dem Paar zuklatschte, „war das ein schöner langer Weg zum Ausgang“. Die Darbietung hatte ihnen die vorläufige Führung in der Dressurweltmeisterschaft beschert.

Reit-WM in Aachen:Die Pferde sind die VIPs
Siebzig Nationen haben sich bei der Reit-WM in Aachen angesagt. Reelle Medaillenchancen hat in den olympischen Disziplinen aber nur eine Handvoll Länder. In der Dressur sind die Deutschen nicht mehr die Könige von einst.
Raphael Netz erfüllt ziemlich perfekt das Klischee vom idealen Schwiegersohn: höflich, strebsam, mit einer vielversprechenden Zukunft als Dressurreiter und -trainer. Das alles gefällt sicherlich auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, mit dessen Tochter Selina zusammen Netz einen Ausbildungsstall für Dressurpferde in Moosburg an der Isar bei München betreibt. Auch privat sind die beiden ein Paar. „Ich möchte einer der besten Dressurreiter der Welt werden. Damit meine ich, dass ich jedem Pferd gerecht werden und mit jedem mein Bestes geben möchte und schauen will, dass sie glücklich sind“, sagte Netz. Das klingt gut, abgewogen, sympathisch. Da hat einer beim Medientraining zugehört.
Der Weg ins deutsche Dressurteam war Raphael Netz nicht vorgezeichnet
Doch es wäre ungerecht, diesen jungen Mann von 27 Jahren auf sein geschliffenes Auftreten zu reduzieren. So wie er redet, reitet er auch. Ein eleganter Sitz, der im internationalen Dressursport seinesgleichen sucht. Ganz fein, für Zuschauer unsichtbar, wirkt Netz auf sein Pferd ein, redet mit ihm quasi ohne Worte. Der verstorbene Bundestrainer Johnny Hilberath bezeichnete ihn als „Kommandozentrale im Sattel“, so präzise gibt er seine Hilfen. Der Vergleich hinkt ein wenig, denn die Kommandos werden nicht gebrüllt, nicht mal geflüstert, sondern quasi durch unsichtbare Vibes übertragen. Der 15-jährige Wallach ist kein Überflieger, bei dem die Menschen den Atem anhalten. Er durchmisst die Diagonale nicht mit Siebenmeilenstiefeln wie einige seiner Konkurrenten. Aber das Paar strahlt eine Harmonie aus, die vielen spektakulärer agierenden Stars abgeht. Mensch und Pferd sind die Einheit, von der die Reitlehre schwärmt, die aber selten erreicht wird. Sieht so ein glückliches Pferd aus? Man weiß nicht, was Pferde unter Glück verstehen, aber Camelot scheint mit sich und der Welt im Reinen.
