Leichtathletik-EMOrientierungslos auf der Bahn
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Gina Lückenkemper scheidet über die 100 Meter schon im EM-Halbfinale aus. Danach fließen ein paar Tränen – sie spricht über einen fatalen Zeckenbiss.
Von Sebastian Winter, Birmingham
Gina Lückenkempers Tränen waren schon ein paar Minuten getrocknet, die Augen aber noch rot, als sie sich den Weg durch den langen Gang des riesigen Zeltes bahnte, in dem sich in Birmingham Reporter und die Athleten nach deren Auftritten begegnen. Sie beglückwünschte Kolleginnen, für die es besser gelaufen war als für sie selbst im Halbfinale über 100 Meter. Und Lückenkemper lächelte wieder – obwohl sie gerade klar ausgeschieden war mit einer für sie eher indiskutablen Zeit von 11,28 Sekunden und Platz 15 bei den Europameisterschaften. Für eine Frau, die 2022 bei der Heim-EM in München Einzel- und Staffelgold gewonnen hatte, ist das eine Ernüchterung.
Den EM-Titel bejubelte später die Britin Amy Hunt, die in ihrem Heimrennen 11,00 Sekunden lief, vor Ewa Swoboda aus Polen (11,02) und der Belgierin Delphine Nkansa (11,06). Zu diesem Trio fehlten Lückenkemper diesmal keine Zentimeter, sondern Meter.

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Doch bereits am ARD-Mikrofon, als ihr die Tränen die Wangen hinuntergelaufen waren, hatte sie betont: „Das sind eher Tränen des Glücks und der Dankbarkeit gerade. Es geht so schnell auf und ab – hier auf der Bahn zu stehen, war dieses Jahr alles andere als selbstverständlich.“ Später, bei weiteren Fragen im Zelt, nannte sie noch mal den Grund für dieses Auf und Ab. „Ich habe nach den deutschen Meisterschaften keinen Hehl aus der Situation mit der Zecke gemacht, die mich nun doch ein ganz kleines bisschen mehr begleitet hat. Die Beule am Hinterkopf ist immer noch nicht weg, es ist schon sechs Wochen her. Es ist der absolute Wahnsinn.“
„Diese scheiß Zecke hat echt ein paar Mal das Nervensystem gebissen“
Vor dem Diamond League Meeting in Paris Ende Juni war Lückenkemper von einer Zecke in den Hinterkopf gebissen worden. Bei den deutschen Meisterschaften in Bochum landete sie Ende Juli nur auf Rang drei, danach wollte sie das Thema loswerden, das sie permanent mental und körperlich belastete. „Diese scheiß Zecke hat echt ein paar Mal das Nervensystem gebissen“, sagte Lückenkemper im Wattenscheider Lohrheidestadion: „Ich hatte unglaublich viel Trainingsausfall, musste Antibiotika nehmen. Die letzten vier Wochen waren deshalb eine absolute Achterbahnfahrt, weil ich überhaupt nicht wusste, was noch möglich ist.“ Eine Sommergrippe sei auch dazugekommen, „der Körper konnte sich einfach nicht mehr erholen“. Bis Birmingham nicht.
