Hockey-WMWeltmeister als Wundertüte

|Lesezeit: 3 Min.

|
Kommentare
Hockey-Bundestrainer Trainer André Henning.
Hockey-Bundestrainer Trainer André Henning. Federico Gambarini/dpa
  • Die deutschen Hockey-Männer gehen als Weltranglisten-Fünfter in die WM vom 15. bis 30. August in Belgien und den Niederlanden.
  • Drei wichtige Spieler fehlen bei der WM: Mats Grambusch und Lukas Windfeder beendeten ihre Karrieren, Gonzalo Peillat ist verletzt.
  • Die deutschen Hockey-Frauen streben bei der WM Silber an, da die Niederländerinnen als nahezu unbesiegbar gelten.
Von der Redaktion überprüft

Diese Zusammenfassung wurde mit der Unterstützung einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt. Lesen Sie mehr über unseren Umgang mit KI.

Fanden Sie diese Zusammenfassung hilfreich?
Mehr Feedback geben

Die deutschen Hockey-Männer relativieren vor der WM in Belgien und den Niederlanden die Erwartungen, die Frauen wünschen sich Silber.

Von Ulrich Hartmann

  • Artikel druckenDrucken
SZ bei Google bevorzugen

Wäre der Hockey-Bundestrainer André Henning ein Schriftsteller, dann suchte er momentan noch nach Dramaturgie und Stilistik seines neuen Werks. Noch sammelte er auch die dafür erforderlichen Vokabeln. Vor einem Jahr, als seine Hockeymänner in Mönchengladbach Europameister wurden, benutzte Henning so herrlich plastische Begriffe wie „Höllenritt“ und „Frustrationsberg“ und beschrieb den sportlichen Triumphzug am Niederrhein wie einen feuerumtosten Showdown aus dem Epos „Herr der Ringe“.

Fragt man Henning, welche Metaphern ihm derzeit für die Weltmeisterschaft vom 15. bis 30. August in Belgien und den Niederlanden vorschweben, dann ist der 42-Jährige verständlicherweise noch nicht ganz so kreativ. „Bis jetzt ist die Mannschaft noch ganz viel Wundertüte“, sagt er. Das hat mit Feuer und Fantasy natürlich erst mal nichts mehr zu tun. „Die passenden Begriffe“, vertröstet er lächelnd, „fallen mir dann schon noch ein.“

Während bei „Herr der Ringe“ äußerst robuste Protagonisten epochale Erzählstränge überdauern, haben nach der EM 2025 in Mats Grambusch ein relevanter Mittelfeldmann und in Lukas Windfeder ein maßgeblicher Abwehrspieler ihre Karrieren beendet. Sie fehlen bei der WM ebenso wie der verletzte Strafeckenschütze Gonzalo Peillat, der sich das Kreuzband gerissen hat. Das macht zusammen drei kapitale Verluste. „Ich bin gespannt, wie wir das kompensieren“, sagt Henning tapfer. Sein neuer Kapitän Tom Grambusch, der jüngere Bruder des vormaligen Kapitäns Mats Grambusch, stößt ins gleiche Horn: „Wir sind zwar 2023 Weltmeister geworden, aber neun Spieler unseres aktuellen Kaders gehen nicht als Titelverteidiger ins Turnier, weil sie damals noch nicht mitgespielt haben.“

Man muss bei den WM-Erwartungen folglich relativieren, dass die deutschen Hockeymänner 2023 Weltmeister geworden sind, 2024 im Olympiafinale standen und 2025 die Europameisterschaft gewannen. Das sukzessive veränderte deutsche Team ist als Nachfolger einer goldenen Generation erst mal kein Überflieger mehr, sondern vorerst eben nur eine Wundertüte.

Männer und Frauen stehen in der Weltrangliste derzeit beide auf Platz fünf

Weil die deutsche Mannschaft bei den stark gewichteten Pro-League-Wettbewerben der vergangenen Jahre zudem nie weit vorn landete, steht sie in der Weltrangliste derzeit nur auf Platz fünf hinter Belgien, Niederlande, England und Australien. In der Vorrunden-Gruppe lauten die Gegner Malaysia (Samstag, 14.30 Uhr), Belgien (Montag, 20.30 Uhr) und Frankreich (Mittwoch, 17 Uhr, alle live und kostenlos bei Magenta TV). In der Zwischenrunden-Gruppe könnten als Gegner anschließend Australien und Spanien hinzukommen. Von vier Teams gelangen hier zwei in jenes Halbfinale, das Henning letztlich als WM-Ziel benennt. Die Medaillenrunde findet am Sonntag, 30. August, im belgischen Wavre statt.

Ebenfalls Weltranglisten-Fünfter sind derzeit die deutschen Hockeyfrauen, die zwar vor einem Jahr in Mönchengladbach im EM-Finale standen und gegen die branchendominanten Niederländerinnen nur knapp mit 1:2 verloren, die aber bei Olympia seit zehn Jahren und bei Weltmeisterschaften seit 28 Jahren keine Medaille mehr gewonnen haben. Gemäß World-Ranking wäre das deutsche Team hinter den Niederlanden, Argentinien, Belgien und China als Fünfter bei der WM nicht mal zwingend Halbfinal-Kandidat, aber davon lässt man sich nicht abschrecken. „Silber wäre ganz hervorragend“, sagt proaktiv Sportvorstand Martin Schultze vom Deutschen Hockey-Bund über ein ersehntes WM-Ergebnis der deutschen Frauen.

Dass er nicht Gold nennt, hat einen sehr konkreten Grund: Im Moment ist an die Niederlande nicht heranzukommen. Mittelfristig wollen die deutschen Frauen das schaffen; Schultze hat Ende 2024 mit der Niederländerin Janneke Schopman eine Bundestrainerin engagiert, die besser als kaum eine andere weiß, wie man den dominanten Niederländerinnen auf die Schliche kommen kann. Im Frauen-Hockey hat Oranje die letzten zwei Olympia-Turniere, die letzten drei Weltmeisterschaften, die letzten vier Pro-League-Turniere und die letzten fünf Europameisterschaften gewonnen. Sie sind nahezu unbesiegbar. Der Rest der Konkurrenz spielt gewissermaßen bloß um Silber und Bronze.

Aber schon dies wird herausfordernd genug. Die deutschen Frauen spielen in der Vorrunden-Gruppe in Wavre gegen Schottland (Samstag, 11.30 Uhr), Argentinien (Montag, 17 Uhr) und die USA (Mittwoch, 14 Uhr, ebenfalls alle live und kostenlos bei Magenta TV). In der Zwischenrunden-Gruppe könnten als Gegner anschließend Belgien und Spanien hinzukommen. Die Medaillenspiele sind am Samstag, 29. August, im niederländischen Amstelveen.

„Es wird schwer, an den Niederländerinnen vorbeizukommen – aber es ist nicht unmöglich“, macht sich die Kapitänin Linnea Weidemann Hoffnung. Und wer weiß: Vielleicht legen ja diesmal die deutschen Frauen einen Höllenritt über den Frustrationsberg hin.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

High Diverin Iris Schmidbauer
:„Die mentale Verletzung ist oft viel größer als die körperliche“

High Diverin Iris Schmidbauer spricht vor ihrem EM-Start in Paris über Sprünge aus 20 Metern in die Seine, blutigen Husten durch geplatzte Lungenbläschen – und das Nomadenleben mit ihrer fast zwei Jahre alten Tochter Leilani.

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite