Kolumne „Hin und weg“Nicht alle fliegen auf Trump

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Wer die Wahl hat: Geradeaus geht es in West Palm Beach zur Straße der schönen Aussicht, nach rechts zum „Donald J. Trump“-Flughafen.
Wer die Wahl hat: Geradeaus geht es in West Palm Beach zur Straße der schönen Aussicht, nach rechts zum „Donald J. Trump“-Flughafen. Imago/Aubre Cyriaque/Zuma Press Wire

Der Flughafen in West Palm Beach ist jetzt nach dem US-Präsidenten benannt. Für manche Passagiere offenbar ein Grund, ihn zu meiden.

Glosse von Stefan Fischer

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Das Münchner Bürgermeisteramt bleibt der CSU seit Jahrzehnten verwehrt. Beinahe bockbeinig weigern sich die Bewohner der bayerischen Landeshauptstadt, einen Kandidaten dieser Partei zu ihrem Stadtoberhaupt zu wählen. Nur einem gewissen Erich Kiesl gelang in grauer Vorzeit eine Art Airbnb-Aufenthalt im Münchner Rathaus – eine von vorneherein begrenzte Zwischennutzung, während die Besitzer kurz mal weg waren.

Das nagt natürlich am Selbstverständnis einer Partei, die sich nach wie vor als die Essenz des Freistaats ansieht, dass sie ausgerechnet im wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Zentrum ihres Reiches nicht der Herr im Haus ist. In einer Mischung aus Trotz und Perfidie hat die CSU den Münchnern deshalb in den Neunzigern einen Flughafen vor die Tore der Stadt gesetzt, den sie, hätte sie Witz, nach Karl Valentin oder Lola Montez, und hätte sie Größe, nach Sophie Scholl oder Herbert Achternbusch benannt hätte – der nun jedoch aus kleinmütigen Gründen den Namen Franz Josef Strauß trägt.

Das Kürzel des Flughafens wird in DJT geändert

Dass Achternbusch noch lebte, als der damals neue Flughafen getauft wurde, wäre nicht zwingend ein Ausschlusskriterium gewesen: Der Flughafen auf Madeira ist schließlich auch nach Cristiano Ronaldo benannt – und seit Kurzem der von West Palm Beach in Florida nach Donald J. Trump. Sogar der IATA-Code, das internationale Flughafen-Kürzel, wird demnächst in DJT geändert. Immerhin dieser Kelch ist an München dereinst vorübergegangen, der Code lautet MUC und nicht FJS.

Eine Kunstgalerie darf an einem Flughafen, der nach einer derart kunstsinnigen Persönlichkeit benannt ist, natürlich nicht fehlen.
Eine Kunstgalerie darf an einem Flughafen, der nach einer derart kunstsinnigen Persönlichkeit benannt ist, natürlich nicht fehlen. Imago/Chris Beckett/Zuma Press Wire

Dass jeder CSU-Ministerpräsident, der auf Strauß folgte, lieber nach Memmingen geflogen oder aber mit dem Zug gefahren wäre, als an einem Herbert-Achternbusch-Flughafen zu landen, darf als gesichert gelten. Recht konkret ist auch in Palm Beach die Furcht, dass Passagiere ausbleiben, weil sie nicht an einem Donald J. Trump International Airport abfliegen oder landen möchten. Über die Fluglinie United hieß es sogar, sie ermögliche ihren Passagieren, die bereits ein Ticket gekauft haben, eine kostenlose Umbuchung etwa nach Miami oder Fort Lauderdale.

United hat das kurz darauf als Missverständnis abgetan und von einer unglücklichen Formulierung gesprochen, was entweder bedeutet, dass es Druck aus dem Weißen Haus oder dessen Außenstelle Mar-a-Lago gegeben hat, die in fußläufiger Entfernung des Flughafens liegt. Oder dass so viele Umbuchungswünsche vorliegen, dass United mit der Bearbeitung nicht hinterherkommt. Oder beides. Auch American Airlines wappnet seine Mitarbeiter ausweislich interner Dokumente für Diskussionen mit Trump-feindlichen Kunden, geht also offenbar nicht bloß von einigen vernachlässigbaren Einzelfällen aus.

Womöglich heißt Palm Beach bald Donaldton

Während also die Wahl eines Flughafens an der Ostküste Floridas – die im Großraum Miami so eng beieinander liegen wie im Ruhrpott die Hauptbahnhöfe – zu einem politischen Statement wird, muss man bei Trump damit rechnen, dass die Umbenennung des Flughafens von Mar-a-Lago, pardon: West Palm Beach erst der Anfang ist. Womöglich heißt Palm Beach bald Donaldton und liegt im Bundesstaat Trumpia. Und dass der Atlantik zum Randmeer des Golfes von Amerika erklärt wird, den Ewiggestrige immer noch hartnäckig Golf von Mexiko nennen, ist wohl auch nur eine Frage der Zeit.

Der Autor ist der Meinung, die Namen einiger Airports rechtfertigen Flugscham.
Der Autor ist der Meinung, die Namen einiger Airports rechtfertigen Flugscham. Bernd Schifferdecker (Illustration)
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