GroßbritannienFarage wieder ins Parlament gewählt

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Nigel Farage hat erst vor wenigen Wochen seinen Parlamentssitz abgegeben. Zuvor war er wegen umstrittener Spenden und Zuwendungen in die Schlagzeilen geraten.
Nigel Farage hat erst vor wenigen Wochen seinen Parlamentssitz abgegeben. Zuvor war er wegen umstrittener Spenden und Zuwendungen in die Schlagzeilen geraten. Richard Pelham/AP Photo

Der Rechtspopulist kehrt als Abgeordneter ins Unterhaus zurück. Schon vor der Verkündung seines Sieges erklärte er sich zum klaren Gewinner.

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Mit einem Sieg in einer kuriosen Wahl hat sich der britische Rechtspopulist Nigel Farage erneut einen Sitz im Parlament gesichert. Der Chef der Partei Reform UK gewann die Nachwahl im Wahlkreis Clacton in der englischen Grafschaft Essex mit 22 239 Stimmen, wie bei der Auszählung verkündet wurde. Als größter Konkurrent des früheren Brexit-Vorkämpfers galt Spaßkandidat Count Binface („Graf Mülltonnengesicht“). Er kam auf 9455 Stimmen.

Schon vor der Verkündung seines Sieges erklärte sich Farage zum klaren Gewinner. Der offiziellen Veranstaltung, bei der das Ergebnis verkündet wurde, blieb er allerdings fern. Seinen Angaben zufolge informierte ihn die örtliche Polizei über eine geplante Kampagne gegen ihn, ein Reform-Sprecher sprach laut BBC gar von einer „glaubwürdigen Drohung“. Nach Informationen der Nachrichtenagentur PA hatte die Polizei von Essex allerdings keinem Kandidaten von der Teilnahme an der Auszählung abgeraten.

Als größter Konkurrent von Nigel Farage galt Spaßkandidat Count Binface („Graf Mülltonnengesicht“).
Als größter Konkurrent von Nigel Farage galt Spaßkandidat Count Binface („Graf Mülltonnengesicht“). Joe Giddens/dpa

„Das Ergebnis in Clacton spricht für sich“, schrieb Farage nach der Bekanntgabe knapp auf X. Eine für den Vormittag geplante Rede in Clacton wurde abgesagt, wie mehrere britische Medien unter Berufung auf ein Statement von Reform UK berichten.

Ausgelöst wurde die Nachwahl von Farage selbst. Erst vor wenigen Wochen gab er seinen Parlamentssitz ab. Zuvor war er unter anderem wegen eines umstrittenen Geldgeschenks in die Schlagzeilen und schließlich in den Fokus einer parlamentarischen Untersuchung geraten.

Wie der Guardian zuletzt enthüllte, erhielt Farage kurz vor seiner Wahl zum Abgeordneten im Jahr 2024 ein Geldgeschenk in Höhe von fünf Millionen Pfund (etwa 5,9 Millionen Euro), das er nicht als Spende deklariert hatte. Seinen Angaben nach handelte es sich um ein persönliches Geschenk ohne Bedingungen. Der Vorgang wurde vom Beauftragten für parlamentarische Standards untersucht. Nach Farages Abgang wurde die Untersuchung jedoch ausgesetzt. Die Wählerinnen und Wähler sollten über sein Handeln entscheiden, sagte er vor wenigen Wochen bei seinem Rücktritt.

Die anderen großen Parteien warfen Farage ein Ablenkungsmanöver vor und verzichteten aus Protest darauf, einen Kandidaten oder eine Kandidatin aufzustellen. Die Nachrichtenagentur PA sprach im Vorfeld von „einer der seltsamsten Nachwahlen der jüngeren Geschichte“.

Die Untersuchung gegen Farage wird britischen Medienberichten zufolge mit seinem Einzug ins Unterhaus aller Voraussicht nach wiederaufgenommen. Sollte dabei ein Vergehen des Politikers festgestellt werden, droht ihm im schlimmsten Fall ein Ausschluss aus dem Unterhaus – und die nächste Nachwahl mit ungewissem Ausgang. Eine Untersuchung konnte er also nur kurzfristig zum Erliegen bringen. Mit dem Wahlsieg kann er nun jedoch seine Erzählung untermauern, den Wählerwillen in Clacton hinter sich zu haben.

Ein Ritter mit Mülleimer-Helm als größter Gegner

Trotz der vielfachen Kritik an den Umständen der Nachwahl fanden sich auf dem Wahlzettel neben Farage 33 weitere Kandidaten. Durch die Absage etablierter Parteien galt als Hauptkonkurrent der Spaßkandidat Count Binface alias Jon Harvey. Binface tritt regelmäßig bei britischen Wahlen an. Er erinnert an eine Art Weltraumkrieger in einem vage an den „Star Wars“-Bösewicht Darth Vader angelehnten Kostüm mit Umhang und Mülltonne als Helm.

Count Binface (hier während der Auszählung der Stimmen im Gespräch mit Journalisten) tritt regelmäßig bei britischen Wahlen an.
Count Binface (hier während der Auszählung der Stimmen im Gespräch mit Journalisten) tritt regelmäßig bei britischen Wahlen an. Joe Giddens/dpa

Britische Medien munkelten zuletzt, ob der in Großbritannien bekannte Komiker nicht doch für eine Überraschung sorgen könnte – denn Proteststimmen gegen Farages Manöver galten als möglich. Eine Umfrage im Wahlkreis Clacton prophezeite jedoch bereits den deutlichen Sieg von Farage.

Farages Partei Reform UK lag in den vergangenen Monaten in Umfragen teils deutlich vorn und fuhr auch bei anderen Wahlen Siege ein. Der Erfolg der Partei wird vor allem Farage persönlich zugeschrieben. Bei den Kommunal- und Regionalwahlen in England, Schottland und Wales im Mai gewannen die Rechtspopulisten Hunderte Mandate in weiten Teilen des Landes und stürzten so die Labour-Partei und Ex-Premier Keir Starmer in die Krise.

Nach der Ernennung von Andy Burnham zum neuen Premierminister hofft Labour deshalb auf einen Umschwung. Aktuelle Umfragen zeigen, dass sich das Stimmungsbild zumindest ein wenig gebessert haben dürfte: Teils liegt die Partei wieder vor Reform UK. Wie lange Burnhams „Flitterwochen“, wie es in britischen Medien oft heißt, anhalten, bleibt im politisch oft wechselhaften Großbritannien allerdings abzuwarten.

Die nächste reguläre Parlamentswahl im Vereinigten Königreich ist spätestens für 2029 angesetzt. Farage und seine Partei fordern seit dem Rücktritt von Ex-Premier Starmer immer wieder Neuwahlen.

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