KolumbienDie Zahl der Todesopfer nach dem Erdbeben steigt weiter

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Helfer suchen in den Trümmern eingestützter Häuser in der kolumbianischen Stadt Cali nach Menschen.
Helfer suchen in den Trümmern eingestützter Häuser in der kolumbianischen Stadt Cali nach Menschen. Christian EscobarMora/REUTERS

Bei dem Beben im Westen Kolumbiens kommen mindestens 181 Menschen ums Leben. Der kommerzielle Flugverkehr an mehreren Flughäfen wird eingestellt.

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Nach dem schweren Erdbeben in Kolumbien beginnt sich das ganze Ausmaß der Katastrophe erst langsam zu zeigen. Nach einer vorläufigen Bilanz des kolumbianischen Städteverbands Asocapitales kamen mindestens 181 Menschen ums Leben, 1246 wurden verletzt. Einer inoffiziellen Plattform zufolge gelten knapp 3800 Menschen als vermisst.

Es wird befürchtet, dass die Zahl der Opfer weiter steigt. Einsatzkräfte, Soldaten und Freiwillige suchten die ganze Nacht hindurch in den Trümmern eingestürzter Häuser nach Verschütteten. In den besonders betroffenen Städten Cali und Pereira wurden nächtliche Ausgangssperren verhängt.

Zahlreiche Tote und Vermisste in Cali und Pereira

Allein in der 2,2-Millionen-Metropole Cali starben nach offiziellen Angaben mindestens 85 Menschen. 188 Menschen würden vermisst, sagte der erst vor wenigen Tagen vereidigte Präsident Abelardo de la Espriella Otero auf einer Pressekonferenz. Die Regierung des südamerikanischen Landes rief den Notstand aus. Rettungskräfte suchen in eingestürzten Gebäuden nach Überlebenden.

Anwohner und Rettungskräfte durchsuchen die Trümmer eines eingestürzten Gebäudes in Cali.
Anwohner und Rettungskräfte durchsuchen die Trümmer eines eingestürzten Gebäudes in Cali. Santiago Saldarriaga/AP via dpa

Drei Krankenhäuser und etwa 40 Gebäude seien völlig eingestürzt. Rund 600 Patienten mussten auf der Straße behandelt werden, wie der Krankenhausdirektor Irne Torres Castro dem Fernsehsender Caracol erklärte. Auch der Flughafen der Stadt am Rande des großen Kaffeeanbaugebietes Eje Cafetero sei nur noch eingeschränkt betriebsbereit. Landesweit waren sechs Flughäfen für den kommerziellen Luftverkehr zumindest zeitweise außer Betrieb.

Patienten aus einem Krankenhaus in Cali werden nach dem Erdbeben in Sicherheit gebracht.
Patienten aus einem Krankenhaus in Cali werden nach dem Erdbeben in Sicherheit gebracht. Santiago Saldarriaga/AP via dpa

In Pereira, der Hauptstadt des Departamentos Risaralda, meldeten die Behörden 66 Tote. Tausende Wohnhäuser wurden offiziellen Angaben zufolge in mehreren Städten im Umkreis des Epizentrums schwer beschädigt. Auch die Stromversorgung, Telefon- und andere Kommunikationsverbindungen in Kolumbien waren beeinträchtigt.

Schwerstes Beben seit Jahrzehnten

Das Epizentrum des Bebens lag nach vorliegenden Erkenntnissen im armen Departamento del Chocó im Westen des Landes am Pazifik, war aber in weiten Teilen des Landes zu spüren. Die Erde hatte am Montagmorgen um 7.34 Uhr Ortszeit in einer Tiefe von rund 103 Kilometern gebebt, wie der Geologische Dienst Kolumbiens (SGC) mitteilte. Es soll das stärkste Beben im Land seit Jahrzehnten gewesen sein.

Im Anschluss wurden zahlreiche Nachbeben registriert. Die Erschütterungen waren auch in Kolumbiens Hauptstadt Bogotá sowie in den Städten Medellín, Popayán und Armenia zu spüren. Auch in Ecuador, Venezuela und Panama wurde das Beben Berichten zufolge wahrgenommen.

Die Kathedrale von Manizales wurde bei dem Erdbeben beschädigt.
Die Kathedrale von Manizales wurde bei dem Erdbeben beschädigt. Andres Valencia/AP via dpa

Das Beben in Kolumbien erinnerte an die schweren Erdstöße im Nachbarland Venezuela vor wenigen Wochen. Dort erschütterten am 24. Juni innerhalb von wenigen Sekunden zwei Beben der Stärke 7,2 und 7,5 den Norden des Landes. Tausende Menschen kamen ums Leben.

Einen Zusammenhang besteht laut SGC nicht. Die beiden Beben wurden demnach durch Bewegungen unterschiedlicher Erdplatten ausgelöst: In Venezuela war die Karibische Platte beteiligt, in Kolumbien die vor der Pazifikküste liegende Nazca-Platte.

Keine Kenntnis von betroffenen deutschen Staatsangehörigen

Mehrere Länder boten ihre Unterstützung an - auch aus Deutschland und der EU kamen Hilfsangebote. Das Auswärtige Amt erklärte, bislang gebe es keine Kenntnis von deutschen Staatsangehörigen unter den Betroffenen. Die Botschaft in Bogotá stehe in engem Kontakt mit den kolumbianischen Behörden.

Die EU stellte nach Angaben einer Sprecherin zunächst 100 000 Euro für die besonders betroffene Region Chocó bereit. Kolumbien hat außerdem den EU-Katastrophenschutzmechanismus um Unterstützung gebeten.

© SZ/dpa/Reuters/gut/ost/lize - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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