SizilienAschewolke des Ätna – Flughafen von Catania bleibt dicht

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Bis Dienstag waren nach Angaben der Behörden rund 700 Flüge betroffen.
Bis Dienstag waren nach Angaben der Behörden rund 700 Flüge betroffen. Andrea Matteo Petrelli/IMAGO/Independent Photo Agency International

Der jüngste Ausbruch von Europas aktivstem Vulkan bringt den Flugverkehr auf Sizilien zum Erliegen. Zehntausende Reisende sind gestrandet. Welche Rechte sie jetzt haben.

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Für Urlauber auf der italienischen Mittelmeerinsel Sizilien bleibt der Flugverkehr am Flughafen von Catania eingeschränkt. Wegen der Vulkanasche des Ätna sind dort keine Starts und Landungen möglich. Die Sperrung für Ankünfte wurde am Donnerstagnachmittag bis Freitag 8 Uhr verlängert. Für Abflüge wurde keine entsprechende Verlängerung mitgeteilt. Zuvor war der Flugbetrieb bis 2 Uhr komplett ausgesetzt worden.

Die Folgen für den Tourismus auf der italienischen Mittelmeerinsel Sizilien sind bereits deutlich zu spüren: Nach Schätzungen des Handelsverbands Assoesercenti belaufen sich die wirtschaftlichen Schäden infolge der Flugausfälle und Behinderungen auf etwa zwölf bis 24 Millionen Euro.

Blick auf den Ätna, vom Viertel Ognina in Catania aus gesehen
Blick auf den Ätna, vom Viertel Ognina in Catania aus gesehen Lena Klimkeit/dpa

Wie lange der Flughafen, unter anderem mit Verbindungen von und nach Deutschland, noch beeinträchtigt bleibt, ist nicht absehbar. Dies hängt von der weiteren Aktivität des Vulkans ab. „Wir können nicht wissen, wie lange die Aktivität des Ätna andauern wird“, sagte Stefano Branca, Direktor der Vulkanabteilung des Nationalen Instituts für Geophysik und Vulkanologie (INGV), der Zeitung Corriere della Sera. Ein Ende der Eruption lasse sich nicht vorhersehen.

Nach den Worten von Branca sei die eruptive Aktivität „leicht rückläufig“. Doch der Vulkan-Experte merkte auch an: „Die einzige Gewissheit ist, dass es keine Gewissheiten gibt.“ Die Betreibergesellschaft des Flughafens und das INGV stehen in engem Kontakt – die Behörden entscheiden je nach Windrichtung und Aschekonzentration in der Luft über Sperrungen, oft auch sehr kurzfristig.

Einige Reisende verbrachten ihre Tage und Nächte am Flughafen von Catania und warteten dort auf Informationen zu ihren Flügen.
Einige Reisende verbrachten ihre Tage und Nächte am Flughafen von Catania und warteten dort auf Informationen zu ihren Flügen. Marco Restivo/Etna Walk/via Reuters

In den vergangenen Tagen musste der Betreiber des Flughafens die Sperre entsprechend mehrfach verlängern. Sie gilt aus Sicherheitsgründen wegen des starken Ausstoßes von Asche. Seit Beginn des Ausbruchs vergangenen Freitag waren Hunderte Flüge von Streichungen, Verspätungen und Umleitungen betroffen. Zehntausende Urlauber mussten umplanen.

Vor Ort am Flughafen von Catania hat sich die Lage inzwischen im Vergleich zu den chaotischen Zuständen der vergangenen Tage etwas beruhigt. Viele Passagiere prüfen ihren Flugstatus vor der Anreise zum Flughafen. Außerdem werden Transfers zu anderen Flughäfen auf der Insel organisiert. Dennoch bilden sich immer wieder längere Warteschlangen vor Infoschaltern. Einige Menschen übernachten vor Ort und warten auf Informationen.

Bis Dienstag waren nach Angaben der Behörden rund 700 Flüge betroffen. Etwa 450 wurden ganz gestrichen und rund 250 wurden auf andere Flughäfen auf der Insel verlegt – etwa auf den kleineren Flughafen von Comiso bei Ragusa im Süden oder den Flughafen der Inselhauptstadt Palermo im Nordwesten Siziliens.

Am Flughafen von Catania hat sich die Lage inzwischen im Vergleich zu den chaotischen Zuständen der vergangenen Tage etwas beruhigt.
Am Flughafen von Catania hat sich die Lage inzwischen im Vergleich zu den chaotischen Zuständen der vergangenen Tage etwas beruhigt. Davide Anastasi/LaPresse via ZUMA Press/dpa

Reisende berichteten von kurzfristigen Benachrichtigungen über die Verlegung des Abflugs nach Palermo, von ausgebuchten Zügen und völlig überteuerten Taxipreisen. Mancher Urlauber benötigte mehrere Tage, um Sizilien wieder zu verlassen und mit umständlichen Umstiegen ans Ziel zu gelangen.

Der Ätna ist Europas aktivster Vulkan. Immer wieder rumort es dort. Für Branca ist deswegen die aktuelle Aktivität kaum überraschend. „Der Ätna verhält sich immer so. Dies ist ein kleiner Ausbruch, kleiner als andere, die noch vor sechs Monaten stattfanden“, sagte er der Zeitung Quotidiano Nazionale. Der Ausbruch an sich sei also nichts Ungewöhnliches. Diesmal stehe jedoch der Wind so ungünstig, dass der Flughafen stark von der Asche betroffen ist.

Lavaströme fließen die Hänge des Vulkans Ätna hinab.
Lavaströme fließen die Hänge des Vulkans Ätna hinab. Simone Genovese/AP/dpa

Seit jeher gilt der Vulkan als Touristenmagnet in der Region. Täglich werden Führungen angeboten, um den Ätna zu besteigen. Auch jetzt: Nach Angaben des Corriere della Sera sind Bergführer überlastet und können die Anfragen von Schaulustigen nicht mehr bedienen. Es wird jedoch davor gewarnt, sich zu nah an die heiße Lava zu bewegen. Videos der Lavaströme haben sich in den sozialen Medien aber rasant verbreitet und ziehen viele Leute an.

Das jüngste Reisechaos hat die Debatte über Alternativen zum Flughafen von Catania neu entfacht. Seit Jahren wird über eine stärkere Nutzung anderer Flughäfen diskutiert. Comiso ist dabei eine mögliche Ausweichoption, kann das Verkehrsaufkommen von Catania aber nicht übernehmen.

Ein mit Asche bedecktes Auto in Catania
Ein mit Asche bedecktes Auto in Catania Lena Klimkeit/dpa

Verkehrsexperten halten dagegen bessere Verbindungen zwischen den bestehenden Flughäfen auf der Mittelmeerinsel für die effizientere Lösung. Investitionen in Bahnstrecken und Straßen würden demnach helfen, den Verkehr bei einer Sperrung schneller auf andere Flughäfen zu verlagern.

Seit fast 30 Jahren werde ergebnislos über einen neuen Flughafen diskutiert, kritisierte der italienische Zivilschutzminister Nello Musumeci, der lange Regionalpräsident von Sizilien war. Das sei jedoch am Widerstand der Betreiber und der „Gleichgültigkeit der lokalen Behörden“ gescheitert. „Es ist jedoch schwer zu bestreiten, dass die Ereignisse der vergangenen Tage eines deutlich machen: Nicht der Vulkan ist am falschen Ort, sondern der Flughafen.“

Welche Rechte Reisende haben

Wie das Europäische Verbraucherzentrum Deutschland mitteilt, gelten Vulkanausbrüche zwar als „außergewöhnlicher Umstand“, deshalb müssen Airlines keine Entschädigungen zahlen. Verantwortung für ihre Kundschaft tragen sie aber dennoch, somit hätten Reisende Anspruch auf – der Wartezeit angemessene – Mahlzeiten und Getränke auf Kosten der Fluglinie sowie eine Hotelübernachtung samt Transfer, falls ein Ersatzflug das nötig macht. Airlines müssen eine Ersatzbeförderung anbieten, sei es mit einer eigenen Maschine, einer anderen Fluggesellschaft oder anderen Transportmitteln. Falls Betroffene nicht vor Ort von Airline-Personal betreut werden, sondern sich selbst kümmern müssen, sollten sie laut Verbraucherzentrum Nachweise und Quittungen aufbewahren, um diese Kosten nachträglich einzureichen.

Pauschalurlaubern steht laut Verbraucherzentrum ab einer Verspätung von mehr als vier Stunden zudem eine Minderung des Tagesreisepreises um fünf Prozent zu – für jede weitere Stunde dann zusätzliche fünf Prozent. Individualreisende können hingegen nur auf Betreuung, nicht aber auf Preisminderungen hoffen.

Für Urlauber, deren Reise in die betroffene Gegend noch bevorsteht, unterscheiden sich die Stornomöglichkeiten je nach Buchungsart: Individualreisende müssten sich an jeden Vertragspartner separat wenden. Es gelten dann die Bedingungen der jeweiligen Unterkünfte, Mietwagenbetreiber, Fluglinien. Sofern etwa ein Hotel geöffnet bleibe, müsse in der Regel auch bezahlt werden, sofern es keine Kulanzlösung gibt, so das Verbraucherzentrum. Pauschalbuchungen können Urlauber kündigen, wenn die Reise erheblich beeinträchtigt oder nicht durchführbar ist, Stornogebühren fallen dann nicht an. Angst vor einem weitergehenden Ausbruch ist als Grund für einen Reiserücktritt jedoch auch hier nicht ausreichend. Informationen zur aktuellen Situation vor Ort bieten das Auswärtige Amt, der italienische Zivilschutz sowie das italienische Frühwarnsystem.

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