Perlacher ForstMünchner Polizei nimmt Rennradfahrer ins Visier

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Die Oberbiberger Straße führt fünf Kilometer kerzengerade durch den Perlacher Forst bis zur „Nussbaum-Ranch“ – man kennt sie auch als „Radler-Autobahn“.
Die Oberbiberger Straße führt fünf Kilometer kerzengerade durch den Perlacher Forst bis zur „Nussbaum-Ranch“ – man kennt sie auch als „Radler-Autobahn“. Foto: Florian Peljak
  • Die Münchner Polizei führt am Mittwochmorgen eine Info-Aktion für Rennradfahrer im Perlacher Forst durch, um über Verkehrssicherheit und Rücksichtnahme zu informieren.
  • Im Perlacher Forst gilt "rechts vor links" an Kreuzungen, was viele Rennradfahrer nicht wissen oder missachten.
  • Die Unfallzahlen mit schweren Verletzungen sind signifikant gestiegen, da immer größere Rennradgruppen mit bis zu 50 Personen durch den Wald fahren.
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Im Perlacher Forst kommt es auf der schnurgeraden Strecke Richtung Süden immer wieder zu Unfällen. Deswegen erklären die Beamten den Sportlern, welche Regeln im Wald gelten.

Von Joachim Mölter

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Zaghaft fragen die drei jungen Frauen auf ihren Rennrädern, ob sie hier noch durchfahren dürfen, zwischen all den Polizisten, die sich mit ihren Autos und Motorrädern gerade am Nordeingang des Perlacher Forsts postiert haben? Natürlich dürfen sie, sagen die Beamten freundlich, der Weg sei frei. Also schlängeln sich die Frauen vorsichtig zwischen zwei Dutzend Polizisten und einem Dutzend Passanten hindurch, ehe sie wieder in die Pedale treten.

Da, wo die Oberbiberger Straße am Säbener Platz in den Wald übergeht und dann schnurgerade fünf Kilometer bis zur „Nussbaum-Ranch“ in Richtung Süden führt, hat die Polizei am Mittwochmorgen einen Stand aufgebaut, den viele Vorbeikommende erst einmal für eine Kontrollstation halten. Wer nachfragt, erfährt, dass es sich um eine Info-Aktion handelt: Die Beamten wollen mit Rennradlern ins Gespräch kommen und sie für Verkehrssicherheit und vor allem Rücksichtnahme sensibilisieren.

„Finde ich super“, sagt der Giesinger Michael Weinzierl, der an diesem Morgen auf Rollerblades unterwegs ist, auf seiner „Hausstrecke“, wie er die Oberbiberger Straße nennt. Er selbst nutze zwar alle möglichen Fahrzeuge – Auto, Motorrad, Fahrrad –, aber für ihn seien die Rennradfahrer mittlerweile „die schlimmsten Verkehrsrowdys“, sagt er. „Die brettern einfach durch, in Zweier- oder Dreierreihen. Und es werden immer mehr. Früher sind sie allein gefahren, jetzt kommen sie in großen Gruppen.“

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Diese Beobachtung hat auch der Polizeihauptmeister Tim Wiedecke von der Unterhachinger Inspektion gemacht. „Wir haben hier Gruppen mit teilweise 50 Leuten, die fahren wie bei der Tour de France“, sagt er über die jüngste Entwicklung. Dabei sei im Münchner Süden ja bloß eine „Tour de Forst“ möglich. Aber weil die Oberbiberger Straße geteert sei, animiere das zu flotteren Geschwindigkeiten und suggeriere Fahrerinnen und Fahrern zudem, dass sie überall Vorfahrt hätten, erklärt Wiedecke. Dabei gelte auch im Perlacher Forst „rechts vor links“, wenn befestigte Waldwege kreuzen und von dort andere Radler, Jogger, Hundehalter oder Spaziergänger queren.

Weil es dabei immer wieder zu gefährlichen Situationen kommt und auch die Unfallzahlen mit schweren Verletzungen signifikant gestiegen sind, hat die Münchner Polizei diesen Aktionstag anberaumt. Beteiligt sind die Inspektionen Giesing, Grünwald und Unterhaching, deren räumliche Zuständigkeit sich am Perlacher Forst schneidet.

Beamte der Verkehrspolizei verteilen Broschüren, zudem haben sie einen Rollenprüfstand aufgebaut, um gegebenenfalls Speed-Pedelecs kontrollieren zu können, die im Gegensatz zu gewöhnlichen Pedelecs oder E-Bikes als Kleinkraftrad gelten und gar nicht auf Forstwegen fahren dürften, wie der Motorradpolizist Daniel Schweiker von der Verkehrsüberwachung erklärt.

Auch Kollegen der Fahrradstaffel sind am Ort, sie müssen freilich ebenfalls nicht zur Verfolgung von Verkehrssündern ansetzen – die vorbeikommenden Radfahrer benehmen sich alle manierlich. „Wenn wir in Uniform unterwegs sind, reißen sich viele eher zusammen“, sagt Julian Lukasziewicz. Aber bei seiner Arbeit hat er auch festgestellt: „Radfahrer sind es nicht gewohnt, dass sie auf Fehlverhalten angesprochen werden.“ Entsprechend intensiv müsse man bisweilen mit ihnen diskutieren.

Die Radfahrer, die an diesem Morgen mit den Beamten ins Gespräch kommen, zeigen sich indes durchaus verständnisvoll für die Aktion. Die sei „alles andere als verkehrt“, findet Nico Goller aus Bad Tölz, der mit drei Freunden aus München unterwegs ist und eine Pause eingelegt hat. Bei der Unterhaltung mit den Polizisten haben die vier Rennradler dann auch Dinge erfahren, die sie nicht gewusst haben, etwa dass auf den Forstwegen ein Tempolimit von 30 Kilometern pro Stunde gilt.

Auch im Perlacher Forst auf andere Verkehrsteilnehmer aufzupassen, sei für sie aber selbstverständlich, versichert Goller: „Radfahren ist für die Umwelt super, es ist für die Gesundheit super, aber es geht halt nur, wenn man Rücksicht nimmt.“

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels stand, es gebe auf der Oberbiberger Straße ein Tempolimit. Dies ging auf Angaben der Polizei zurück. Die Polizei hat dies inzwischen korrigiert.

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