Aktuelles LexikonWas ist ein Sprecher?
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Jede Ministerin, jeder Kanzler, jeder Fifa-Präsident hat ihn. Aber seine Aufgabe besteht nur zum geringsten Teil aus Sprechen.
Von Detlef Esslinger
Es gibt Berufe, die für Laien rätselhaft sind, etwa der (Presse-)Sprecher. Warum brauchen Ministerinnen und Präsidenten so jemanden? Sie sprechen doch selbst. Was den größeren Teil des Jobs betrifft, ist der Titel irrig. Pressesprecher sind vor allem Pressereferenten. Sie moderieren Pressekonferenzen, sagen Interviews ab oder zu, gehen mit dem Chef mögliche Fragen und Antworten durch, erledigen die Autorisierung des Textes. Sie sprechen, indem sie Hintergründe erläutern, ohne aber zitiert werden zu wollen – so entstehen Nachrichten, in denen von „Ministeriumskreisen“ oder dem „Umfeld“ die Rede ist. Manchmal sprechen sie auch öffentlich, wie nun ein anonymer Zitatgeber für Fifa-Präsident Gianni Infantino. Er hatte die Aufgabe, eine angebliche Kampagne gegen ihn zu beklagen. Tritt ein Sprecher mit Namen auf, kommt dies einer offiziellen Mitteilung der Institution gleich. Bleibt er ungenannt, kann das mehrere Gründe haben: Entweder soll etwas nicht zu hoch gehängt werden, oder kein Sprecher mag seinen Namen hergeben. Oder eine Institution versucht verzweifelt, ihre Autorität wiederherzustellen, indem sie als Institution spricht. Ach, Fifa.
