Endlich abtauchen in die Sommerferien. Hendrik Schmidt/dpa
Unser Autor hat den stressigsten Monat des Jahres überstanden. Und für die Sommerferien gibt es zum Glück Mini-München, ein bestens organisiertes Kinderbetreuungs-Chaos.
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Liebe Leserin, lieber Leser,
der Juli? Bin ich froh, dass der vorbei ist. In den vergangenen Jahren hat sich der für mich zu einer Art Vorweihnachtszeit im Sommer entwickelt, so empfindet es auch meine Kollegin Annette Jäger (SZ Plus). Daran sind meine Kinder schuld: Schulfest eins, Schulfest zwei, Fußball-Sommerturnier eins, zwei, sieben, neun. SZ-Sommerfest (gut, da können sie nichts für), Fußballmannschafts-Abschiedsabend von Sohn eins, Schultheateraufführung, Musikschulsommerkonzert.
Fast jeden Abend ist was, manchmal sind sogar zwei Termine gleichzeitig, sodass dann Sohn zwei zum Saisonabschluss-Pizzaessen seiner Mannschaft geht und die Eltern in den Biergarten, um dort der Grundschullehrerin zu danken, dass sie dem Kind zwei Jahre lang Lesen und Schreiben beigebracht hat. Der abschließende Höhepunkt stellte sich dann als Tiefpunkt heraus: das traditionelle Eltern-Kind-Spiel beim Sommerfest des Fußballvereins. Dritte Minute, ein tolles 1:0 durch den Autor, der vielleicht manchmal zum Angeben neigt, aber leider kein bisschen zum Übertreiben, wenn er nun berichtet: Totalschaden im Knie nach einem Hupfer beim Torjubel.
Den August beginne ich also mit einer Orthese am Bein und grübele, ob die Verletzung eher alters- oder karmabedingt war, den albernen Ronaldo-Hupfer hatte ich den Kindern immer unter Androhung von Taschengeldentzug verboten. Von den Abenden hat sich der Stress nun in die Tageszeit verlegt, denn es sind endlich auch in Bayern Ferien, zumindest für die Kinder – wir Eltern müssen trotzdem arbeiten und zusehen, dass die lieben Kleinen nicht an Langeweile sterben. Unter allen Ferienbetreuungen hier in der bayerischen Landeshauptstadt ist Mini-München der absolute Goldstandard, ein seit 1979 alle zwei Jahre neu aufgesetztes Mitmach-Experiment, bestens organisiertes Chaos: Die Kinder spielen die Stadt nach, verwalten sich mit einem Stadtrat selbst, haben Berufe, verdienen Geld in einer Fantasiewährung, für das sie Essen gehen, Taxi fahren, Zeitungen kaufen können, während andere Kinder Essen kochen, Taxi fahren, Zeitungen vollschreiben. Dabei schummeln sie manchmal genau wie die Erwachsenen, wie mein Kollege Thore Rausch vor zwei Jahren beobachtet hat (SZ Plus) – herrlich.
Das Erwachsenenleben nachzuspielen macht unseren Kindern wahnsinnig Spaß – und auch wir Eltern müssen kichern, weil sich hier wieder zeigt, wie verschieden die Gemüter unserer Jungs sind: Während der Zweitklässler gleich am ersten Tag an der Hochschule eine Dissertation angefangen hat, ist der Große erst Taxi gefahren und war dann arbeitslos, damit aber sehr zufrieden. Wir hoffen, dass das so bleibt, denn ganz ehrlich: Wenn der Juli so etwas wie die Vorweihnachtszeit ist, dann gleicht der August der Zeit zwischen den Jahren und in der Woche nach Silvester. Es ist schön, wenn die ewigen Termine endlich aufhören.
Ohne ihre Babysitterin würden die Zischkes die Sommerferien mit ihren zwei behinderten Kindern kaum schaffen. Doch die geplante Pflegereform könnte genau dieses Modell unmöglich machen. Ein Hilferuf.