Elternkolumne „Die Erziehungsberechtigten“Das Freibad ist keine Kita

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Kolumnist Patrick Bauer
Kolumnist Patrick Bauer Lorenz Mehrlich

Wasser ist nicht unbedingt das Element unseres Kolumnisten: Sein Abi musste er sich mühsam erkraulen und sein Sohn wäre einmal fast ertrunken - im Schwimmkurs.

Von Patrick Bauer

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Ich lese seit so vielen Jahren im Sommer, dass Kinder in Deutschland immer schlechter schwimmen können, dass ich mich langsam frage, wie viel schlechter denn deutsche Kinder noch schwimmen können müssen, bis sie es gar nicht mehr können. Aber im Ernst, das Problem ist natürlich real: Laut der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft kann nicht einmal jedes zweite Kind nach der Grundschule sicher schwimmen.

Mein Sohn ist mal fast ertrunken. Auch kein Scherz: in seinem ersten Schwimmkurs. Keine Ahnung, wie wir damals einen Platz in einem Schwimmkurs bekommen haben, so was kriegt man in Großstädten ja eigentlich nur noch im Tausch gegen Vier-Zimmer-Wohnungen. Ich lag dann da in der großen Halle und las ein Buch und freute mich, als ich ihn und seine Gruppe zum Schwimmerbecken watscheln sah. Sie durften endlich im Tiefen mit diesen Schaumstoffbrettern vor der Brust ein paar Bahnen wagen, ein Kind nach dem anderen. Er strampelte ganz hinten. Aus den Augenwinkeln sah ich, wie sein Brett wegrutschte. Die Schwimmlehrerin bekam das leider nicht mit. Erst als ich schreiend durch die Halle rannte, reagierte sie blitzschnell, sprang ins Wasser und fischte ihn hoch.

Seitdem weiß ich, wie wichtig mehrere Augenpaare bei unsicheren Schwimmern sind. Aus Nordrhein-Westfalen kam jetzt ein Hilferuf. Mehrere Bäder beklagen, dass Eltern ihrer Aufsichtspflicht am Beckenrand nicht nachkommen und immer häufiger Kinder gerettet werden müssen, die alleine im Wasser sind. „Ein öffentliches Schwimmbad ist keine Betreuungseinrichtung, in dem Kinder abgegeben werden können, während sich die Eltern entspannen“, wird Judith Jussenhofen zitiert, die Sprecherin des städtischen Betreibers KölnBäder. Oftmals würden die Eltern auf der Liegewiese am Handy hängen. Das klingt, als könnten sie noch schlechter aufpassen, als ihre Kinder schwimmen können.

Die Ruhe hat man sich teuer erkauft

Wie die schlecht schwimmenden Kinder gehören ja auch Schlagzeilen über Freibäder zu jedem deutschen Sommer. Das Sommerloch lässt sich gut mit Chlorwasser füllen. Dieses Jahr war das Freibad in Halle an der Saale, das nur noch Menschen mit Deutschkenntnissen Zutritt gewähren wollte, ein Aufreger. Tumulte und Ausschreitungen in Freibädern gab es natürlich auch wieder, zuletzt in Kehl am Rhein oder Bochum. Ich verbrachte vor Jahren mal einen Sommer in einem Berliner Problembad, um darüber zu schreiben, und na ja, es gab da einiges zu beschreiben. Über dieses Bad, das Neuköllner Columbiabad, heißt es heute, es sei friedlich. Das stimmt auch an vielen Tagen. Man sollte aber nicht verschweigen, dass man diese Ruhe – wie auch anderswo – unter anderem mit mehr Security und einer Ausweispflicht für alle über 14 erkauft hat. Ein ziemlich hoher Preis.

Aber ich gestehe: Ich war schon länger nicht mehr da. Ich schwimme eher ungern. Zumindest in öffentlichen Bädern. Warum eigentlich? Vielleicht weil ich wegen eines Schwimmkurses, den ich geschwänzt habe, weil ich „nur einen Punkt“ brauchte, fast durchs Abitur gefallen wäre. Ich musste dann in der letzten Stunde, zu der ich mal wieder erschienen war, alle Leistungsüberprüfungen des ganzen Halbjahres nachschwimmen für diesen einen Punkt. Ich habe mir mein Abi mühsam erkrault.

In dieser Kolumne schreiben Patrick Bauer und Friederike Zoe Grasshoff im Wechsel über ihren Alltag als Eltern. Alle bisher erschienenen Folgen finden Sie hier.

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