Was an Spaghetti ist bitte so besonders? Sie machen einfach Spaß. Man kann sie auf die Gabel drehen (gar nicht so einfach), klein schneiden (gar nicht so schön), nacheinander mit spitzem Mund einsaugen (große Sauerei) oder versuchen, beim Schlucken das eine Ende festzuhalten (eine Art Zahnseide der Speiseröhre). Bei vielen Menschen wecken Spaghetti Kindheitserinnerungen. In Italien tauchten sie erstmals im Mittelalter in Palermo auf, Hauptstadt der Insel Sizilien. Vermutlich brachten arabische Einwanderer oder Eroberer Vorläufer davon mit. Seitdem sind Menschen fasziniert von Spaghetti. Sie kommen besonders häufig in Werbe- und Kinofilmen vor. Und als Thomas Jefferson, Gründervater und späterer Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika vor 240 Jahren durch Europa reiste, brachte er genau eine Maschine mit nach Washington: Amerikas erste Spaghetti-Presse.
Warum haben Nudeln überhaupt unterschiedliche Formen? Makkaroni, Ravioli, Spaghetti – wie viele Pasta-Sorten fallen dir ein? Zehn vielleicht? Das wären schon viele. Es gibt aber noch viel mehr, nämlich etwa 350. Das liegt daran, dass die Italiener für unterschiedliche Saucen extra unterschiedliche Nudelformen entwickelt haben. Glatte Saucen haften zum Beispiel oft besser an langer Pasta, während kurze Nudeln mit Rillen und Löchern (Penne) eher zu stückigen Sugos passen. Außerdem hat sich so gut wie jede Region in Italien eigene Nudelsorten ausgedacht, und fast jede Sorte hat noch Untersorten. Am beliebtesten sind Spaghetti. Ihr Anteil liegt in Italien bei knapp 15 Prozent. Rechnet man alle Untersorten der Spaghetti-Familie dazu (von extradünnen Spaghettini bis zu Bucatini – Röhrenspaghetti mit Loch in der Mitte), dann sind es sogar 30 Prozent.
Kann man Schwimmnudeln essen? Auf keinen Fall! Die sind aus PE-Schaum. Vor ein paar Wochen hat Bremen den Poolnudel-Weltrekord gebrochen: 434 Menschen samt Schwimmnudeln in einem Becken. Andere lustige Nudelrekorde: Kein Mensch auf der Welt isst schneller Spaghetti als die britische Speed-Eaterin Leah Shutkever. Im Juli 2023 brauchte sie für einen Teller Nudeln mit Tomatensauce gerade einmal 17,03 Sekunden. Die längste Nudel, die je gekocht wurde, stammt vom chinesischen Trockennudel-Hersteller Xiangnian: 2017 entstand dort ein 3084 Meter langer Spaghetto aus 40 Kilo Mehl, knapp 27 Liter Wasser und 600 g Salz. Und der schönste Spaghetti-Kuss? Fand 2023 am Flughafen Berlin-Tempelhof statt. Dort gaben sich 463 Paare den sogenannten „Italian Kiss“, bekannt aus dem Disney-Film „Susi und Strolch“. Jeder fängt an einer Nudelseite an zu essen, bis sich Schnauzen (oder Münder) in der Mitte treffen.
Wie witzig sind Spaghetti? Gegenfrage: Was haben der Kot von Ameisen, englischer Käse und eine bestimmte Nudelsorte gemeinsam? „Ameisenscheiße“, „Cheese“, „Spaghettiiiii“! Und schon lachen alle auf dem Gruppenfoto. Spaghetti sind Hauptdarsteller in einem der berühmtesten Aprilscherze überhaupt: Die britische Rundfunkanstalt BBC zeigte am 1. April 1957 einen zweieinhalb Minuten Beitrag über die Spaghetti-Ernte. Dafür hatte sie Bäume mit Spaghetti behängt und Bauern bei der Ernte gezeigt. Acht Millionen Menschen sahen den Prank.
Frisch vom Baum schmecken sie immer noch am besten: Der Aprilscherz-Fernsehbeitrag über die Spaghetti-Ernte im Schweizer Tessin aus dem Jahr 1957 hat viele Nachahmer gefunden. wikimedia commons/cc-by-2.0
Kann man Spaghetti teilen? Schwierig. Nicht nur, weil sie so lecker sind. Gemeint ist hier, rohe Spaghetti in genau zwei Teile zu brechen. Das funktioniert fast nie. Biegt man sie an den Enden, erhöht sich die mechanische Spannung in der Mitte, die Nudel bricht an der schwächsten Stelle. Durch den Bruch entlädt sich die Biege-Energie wie ein Peitschenschlag in beide Bruchteile, die wieder in ihre gerade Ausgangsform schnellen. Diese Schwingung ist wie ein kleines Erdbeben in der Nudel, genannt Snap-back. Sie bricht dadurch auch an anderen Stellen.