Klassik im UrlaubMusik und Wein zwischen alten Gemäuern

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Klassik im Schlosshof: Im lauschigen Garten des Seehauses bei Markt Nordheim (Mittelfranken) findet das Wandelkonzert seinen Abschluss.
Klassik im Schlosshof: Im lauschigen Garten des Seehauses bei Markt Nordheim (Mittelfranken) findet das Wandelkonzert seinen Abschluss. Jutta Czeguhn

Im fränkischen Weinland zwischen Nürnberg und Würzburg liegt Schloss Seehaus. Hausherr Jan Kobow lädt zu einer ganz besonderen Schlossführung.

Von Jutta Czeguhn

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Vorverkauf bei der Buchhandlung Seehars in Uffenheim, heißt es auf der Website von Schloss Seehaus. Also hinein ins Geschäft, eines der ältesten im überschaubaren Zentrum der kleinen mittelfränkischen Stadt. Generationen von Kindern haben hier ihre Schulhefte und Sammelbildchen gekauft, Bücher bestellt. Jetzt also, bitteschön, zwei Karten für das Wandelkonzert in Schloss Seehaus. „Das am Sonntag, 23. August?“, fragt der Verkäufer und kramt dann konzentriert in einer Klarsichtfolie. Er bittet um „Barzahlung“, er müsse den Betrag getrennt abrechnen mit dem Veranstalter. Man unterstützt sich hier in der sogenannten Kultur-Provinz.

Nicht-Uffenheimer und alle, die es umstandsloser haben möchten, schreiben zwecks Kartenbestellung einfach eine Mail an Jan Kobow (info@schloss-seehaus.de) oder rufen an unter 09165-541. Der Tenor, als gebürtiger Berliner ein „Neigschmeggda“, bietet den Menschen der Gegend seit etlichen Jahren ausgesucht feine Klassik-Events auf seinem Schloss im nahen Steigerwald-Ort Markt Nordheim. Ein Erbe der unternehmungslustigen Großeltern. Was klein anfing, ist längst mehr als nur ein Geheimtipp fürs Publikum der Region. Stars wie Julian Prégardien oder der gerade bei den Salzburger Festspielen bejubelte Bariton Konstantin Krimmel kommen immer wieder gern ins alte fränkische Gemäuer, das im Jahre 1300, als „Haus am See“, erstmals urkundlich Erwähnung fand.

Kobow, ein renommierter und weit vernetzter Lied- und Oratoriensänger, hat immer auch kämpfen müssen, um die historische Anlage zusammenzuhalten. Mittlerweile steht ein Verein hinter ihm, in einem Trakt des Schlosses werden Ferienwohnungen angeboten. Doch die Musik bleibt hier tonangebend, nicht zuletzt, weil in nahezu jedem Raum des Schlosses historische Klaviere darauf warten, dass jemand – wenn auch nur im Vorübergehen – ein paar Tasten anschlägt.

Ein Klavier in beinahe jedem Raum: Jan Kobow im Konzertsaal seines Schlosses.
Ein Klavier in beinahe jedem Raum: Jan Kobow im Konzertsaal seines Schlosses. Jutta Czeguhn

Und nun also gibt es dort wieder eines der besonders atmosphärischen Wandelkonzerte, für das es sich zweifellos lohnt, auch von weiter her anzureisen. Auch wegen der Komponisten, die diesmal gefeiert werden: Henry Purcell und John Dowland, der Melancholiker des Elisabethanischen Zeitalters, dessen 400. Todestag man heuer gedenkt. Weltliche wie geistliche Lieder, Anthems, Motetten und Instrumentalstücke werden zu hören sein, wie geschaffen für dieses Ambiente.

Musiker und Sänger geben rund 20-minütige Kurzkonzerte (Beginn 16 Uhr), und das dreimal hintereinander, denn das Publikum wird in drei Gruppen aufgeteilt. Zwischendrin gibt’s eine große Pause mit Frankenwein einer Winzerei aus dem Ort. Start ist jeweils in der Dorfkirche St. Georg, die seit der 2019 vollendeten Restaurierung und Rekonstruktion der mittlerweile überregional bekannten Ehrlich-Orgel von 1786 in die Wandelkonzerte einbezogen wird. Nach einer etwa 600 Meter langen Wanderung durchs Dorf hinauf zum Seehaus folgen Darbietungen in der Schlosskapelle, in der Orangerie und im Konzertsaal. Am Ende treffen sich alle noch zu einem kleinen Abschluss-Konzert im Schlossgarten.

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Jan Kobow, der beim Wandelkonzert selbst mitsingt, schart eine internationale Riege renommierter Interpretinnen und Interpreten um sich. Das englische Viola da Gamba Ensemble Fretwork unter der Leitung von Richard Boothby reist eigens aus Großbritannien an und bringt einen jungen Countertenor von der Insel mit: Alexander Chance gehört zu den aufstrebenden Künstlern seines Stimmfachs, in dem sein Vater Michael Chance große Erfolge feierte.

Den Weg aus München tritt Joel Frederiksen an, der Amerikaner, Gründer des Ensembles Phoenix Munich, ist ein wahrer Basso profondo, der noch über das tiefe C hinaus singen kann. Beim Wandelkonzert auf Schloss Seehaus wird er sich und seine Duett-Partnerin Elisabeth Hetherington auf der Laute begleiten. Die junge kanadische Sopranistin ist eine furchtlose Grenzgängerin zwischen Alter und Neuer Musik.

Näheres über das Musikprogramm auf Schloss Seehaus unter www.schloss-seehaus.de

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