GeschichtsbildCeuta, die spanische Exklave

Ceuta, die Stadt an der Nordküste Marokkos, gehört seit Jahrhunderten zu Spanien – aufgrund einer komplizierten Geschichte.
Von Patrick Illinger
Die Casa Trujillo mit ihren zwei Türmen und den markanten Bogenfenstern im Obergeschoss, vor hundert Jahren im modernistischen Stil erbaut, ist auch heute noch eines der prominentesten Gebäude der spanischen Exklave Ceuta an der Nordküste Marokkos. Hinter dem Haus, in dem viele Geschäfte residieren, führt die Prachtstraße Paseo del Revellín damals wie heute in die Altstadt hinein und mündet in die Plaza de los Reyes. Doch war am Anfang der 1930er-Jahre, aus denen dieses Bild stammt, auch vieles anders als heute: Das Meer links vor der Casa Trujillo reicht nach diversen Aufschüttungen nicht mehr so nah an die Stadt heran. An der Stirnseite des Hauses ist mittlerweile ein großer Kreisverkehr. Und vor allem war Ceuta in den 1930er-Jahren keine Exklave wie heute, ein Außenposten der Europäischen Union als Ziel von Zehntausenden Flüchtlingen, sondern grenzte an Spanisch-Marokko, ein Protektorat, das den Großteil der Nordküste des heutigen Marokko umfasste. Als Spanien nach Jahrzehnten blutiger Befreiungskämpfe 1956 die Unabhängigkeit Marokkos anerkannte und das Protektorat aufgab, verblieben zwei Exklaven unter spanischer Herrschaft: Ceuta und das weiter östlich gelegene Melilla. Tatsächlich hatten die beiden Orte bereits lange vor dem Vertrag von Fès, mit dem 1912 das spanische Protektorat begann, unter spanischer Herrschaft gestanden. Ceuta entschied sich nach der Loslösung Portugals von Spanien 1640, bei der spanischen Krone zu bleiben. Das unterscheidet die Geschichte Ceutas von der Gibraltars, mit dem es oft verglichen wird: Das heute britische Überseegebiet wurde Spanien infolge des verlorenen Spanischen Erbfolgekriegs 1713 abgenommen. Die spanische Herrschaft über Ceuta reicht einige Jahrhunderte weiter zurück als die Gründung des modernen Staates Marokko im Jahr 1956.
