»Unsere Nachbarin, über 80 Jahre alt, hat in den letzten Jahrzehnten aus einem fast tennisplatzgroßen Areal einen Traumgarten gezaubert. Eine Augenweide, an der auch wir Nachbarn uns erfreuen. Er ist ihr Ein und Alles, und sie pflegt ihn mit größter Leidenschaft, leider auch durch hingebungsvolles Bewässern mit dem Gartenschlauch. Jedes Mal tut es mir weh, mitansehen zu müssen, wie sich Hunderte von Litern Wasser (nicht aus einer Zisterne) über die Pflanzen ergießen. Wir alle wissen, wie kostbar und gefährdet die Ressource Wasser ist, aber bisher brachte ich nicht den Mut auf, sie direkt darauf hinzuweisen. Ich zählte darauf, dass sie von selbst einsichtig wird. Es bräche ihr das Herz, ihren Garten nicht mehr in dem Tipptopp-Zustand sehen zu können, in dem er jetzt ist.« Anonym, per Mail
Was spricht dagegen, dass Sie mit Ihrer Nachbarin reden? So wie Sie klingen, haben Sie bestimmt genug Taktgefühl, den richtigen Ton zu treffen, höflich zu sein und stets auch im Kopf zu haben, dass es die Privatangelegenheit dieser Frau ist, wie sie ihren Garten pflegt. Bedenken Sie auch, dass der Garten für Ihre Nachbarin so etwas wie ihr Lebenselixier sein kann. Vielleicht ist er wirklich ihr Ein und Alles. Deshalb sollten Sie ihr gegenüber auf keinen Fall belehrend auftreten. Aber wem ist damit geholfen, das Gespräch nicht zu suchen? Das Schlimmste, was dabei herauskommen kann, ist, vom gewünschten Ergebnis her gesehen, dass alles genau so bleibt, wie es ohnehin ist.
Es ist also einen Versuch wert. Sagen Sie ihr, wie sagenhaft schön ihr Garten ist, dessen Anblick auch Sie so genießen – und dass Sie in den Nachrichten gehört hätten, dass Wasserknappheit ein Thema sei. Wichtig: Und jetzt kommen Sie mit konstruktiven Vorschlägen! Informieren Sie sich also bitte vorher über Regenwassernutzung, Zisternen (die man möglicherweise sogar für mehrere Häuser anlegen könnte, vielleicht also auch für Sie interessant), Uhrzeiten, an denen man idealerweise bewässert, vor allem aber über Mulchen, was offenbar (ich kenne mich leider nicht aus) ein riesiges Thema ist für Gärten in regenarmen Gegenden.
Aber seien Sie nicht untröstlich, wenn Sie nichts ausrichten. Dann können Sie sich wenigstens sagen, dass Sie es versucht haben. Und sich die Gärten Ihrer Nachbarschaft als großes Ganzes denken, wo viele so viel Wasser einsparen, dass sich das Wässern der einen Nachbarin verspielt. Immerhin kommt dies Insekten zugute und Regenwürmern, was wiederum Vögeln zugutekommt, auch Eichhörnchen profitieren. Und das Grundstück Ihrer Nachbarin ist auch nur fast tennisplatzgroß! Vergessen Sie das nicht!