Nach einem Beinaheunfall will eine 73-jährige Leserin ihre Freundinnen nicht mehr wie gewohnt im Auto mitnehmen. Wie teilt sie ihnen das mit, ohne egoistisch zu wirken?
»Als Seniorin, 73, bin ich in verschiedenen Gruppen unterwegs. Die meisten Teilnehmerinnen sind schon etwas älter und dementsprechend immobil und ohne Auto. Es gibt an mich die unausgesprochene Erwartung, dass sie in meinem Auto mitfahren können. Vor Kurzem gab es fast einen schweren Unfall, der mir bewusst machte, welche Verantwortung ich mit dem Taxidienst übernehme. Ich stecke in dem Dilemma, dass ich niemanden mehr mitnehmen möchte, aber nicht weiß, wie ich das kommunizieren kann, ohne egoistisch oder unsozial zu wirken. Wissen Sie Rat?« Barbara H., Krefeld
Ich bin mal auf einer Route geflogen, auf der nicht allzu lange vorher ein Passagierflugzeug abgestürzt war (Rio – Paris), und da musste man vor dem Boarding ausfüllen, wer im Falle eines Absturzes zu benachrichtigen sei. Wahrscheinlich war es nicht ganz so drastisch ausgedrückt, wahrscheinlich wurde einfach nach dem »Notfallkontakt« gefragt, aber es war das erste Mal, dass mir das unterkam, und der zeitliche Bezug legte einen offenbar für möglich gehaltenen Absturz nahe. Mit sehr mulmigem Gefühl bestieg ich das Air-France-Flugzeug, ging auch alles gut. Warum erwähne ich das? Sie möchten in Zukunft niemanden mehr im Auto mitnehmen und trotzdem nicht als egoistisch und unsozial gelten. Das ist das Ziel. Und während wir uns nun bildlich vorstellen, wie Sie alle anderen stehen lassen, in Ihr Auto steigen und allein wegfahren, sei Ihnen noch zugerufen, dass ich Ihre Haltung sehr nachvollziehbar finde. Nein, man möchte nicht schuld sein, falls jemand anderem etwas passiert, und wenn Sie sich mit dieser Verantwortung unwohl fühlen, sollten Sie das ernst nehmen.
Aber zurück zu Air France: Sie könnten den Frauen, die bei Ihnen mitfahren wollen, vorher ein ähnliches Dokument aushändigen. Und darauf hoffen, dass die dann von sich aus lieber den sichereren Bus nehmen. Oder, das wäre die Möglichkeit, die ich vermutlich wählen würde, Sie kommen selbst nicht mehr mit dem Auto. Dann sind Sie zwar auch nicht mehr mobil, und das Ganze ist auch unglaublich bescheuert natürlich, aber immerhin wäre man dann Teil der Gruppe und würde nicht als egoistische Einzelkämpferin gelten. Es gibt bestimmt Menschen, die einfach geradeheraus Nein sagen können und denen egal ist, was andere über sie denken, und das wäre die beste und sauberste Lösung, aber wenn Sie zu denen gehören würden, hätten Sie nicht geschrieben.