HistorieDie Rettung des neuen Rom

Vor 1400 Jahren, im Sommer 626, überstand die oströmische Hauptstadt Konstantinopel eine epochale Belagerung. Andernfalls hätte die Geschichte Europas einen ganz anderen Verlauf genommen.
Von Joachim Käppner
Als die letzten Flüchtlinge und mutigen Späher glücklich angekommen waren, schloss die Besatzung die schweren Tore: Vom Goldenen Tor, dem prächtigen Eingang der Stadt, bis zum Tor des Hölzernen Zirkus, nahe beim Meeresarm des Goldenen Horns. Die Soldaten Ostroms standen Ende Juli 626 auf den Mauern und sahen ein schauerliches Spektakel, als am Horizont die Vorhut des Feindes erschien, wie der Chronist Theodor Synkellos schrieb: „Es war auf der Landseite, wo sich der erschreckendste Anblick bot, und wer ihn sah, dem zerstörte er fast die Sinne. Denn gegen jeden unserer Soldaten standen hundert und mehr Barbaren, alle geschützt durch Brustpanzer und Helme, und sie brachten Kriegsmaschinen aller Art heran. Als die Sonne von Osten her aufging, schienen ihre Strahlen auf all die Rüstungen, sodass sie noch schrecklicher aussahen, und wer das sah, würde von Furcht geschüttelt.“
