Mehr als Bratwurst gibt es in Nürnberg

Nürnberg, kreisfreie Stadt im Regierungsbezirk Mittelfranken, Bayern, an der Pegnitz, bildet mit Fürth im Westen eine städtische Agglomeration, etwa 498 000 Einwohner; Verwaltungs- und kulturelles Zentrum Mittelfrankens.

Nuernberg-Franken

 

Nürnberg ist sicher eine Reise wert!

Sitz der Bundesagentur für Arbeit, Oberfinanzdirektion, Oberlandesgericht; Institute der Universität Erlangen-Nürnberg, Akademie der bildenden Künste, Hochschule für Musik, Fachhochschule, Evangelische Stiftungs-Fachhochschule, Staatsarchiv, Opernhaus, Schauspielhaus, Kammerspiele, Germanisches Nationalmuseum, Kunsthalle Nürnberg, Neues Museum – Staatliches Museum für Kunst und Design, Albrecht-Dürer-Haus, Stadtmuseum Fembohaus, Museum Industriekultur u. a. Museen; Dokumentationszentrum auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände; zoologischer Garten.

Wirtschaft

Dienstleistungs- (insbesondere Marktforschung, Versicherungsgewerbe) und Industriezentrum, Standort der Industrieforschung; die wichtigsten Industriebranchen sind Elektrotechnik/Elektronik, Informationstechnologie, Energie-, Mess- und Regelungstechnik, Maschinen- und Fahrzeugbau, Metall verarbeitende, Druck-, Spielwaren- und Nahrungsmittelindustrie. Messezentrum u. a. mit alljährlich stattfindender Spielwarenmesse. Ein besonderer Anziehungspunkt ist der um 1640–50 entstandene »Christkindlesmarkt«. – Seit 1972 Hafen am Rhein-Main-Donau-Großschifffahrtsweg, nördlich der Stadt Flughafen.

 

Stadtbild

Trotz schwerer Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg lässt Nürnberg nach dem Wiederaufbau das historische Stadtbild erkennen. Die Pegnitz teilt die Altstadt in die ältere Sebalderstadt (im Norden) und die seit dem 12. Jahrhundert entstandene Lorenzerstadt (im Süden). Die Stadtbefestigung mit mehreren Türmen (14./15. Jahrhundert) ist größtenteils erhalten. Der riesige Komplex der Burg besteht aus der im 12. Jahrhundert entstandenen Burggrafen- und Kaiserburg (Umbauten bis ins 15./16. Jahrhundert, heute Museum), den Kaiserstallungen (grafische Sammlung) sowie der staufischen Doppelkapelle (um 1180).

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Viele der beschädigten mittelalterlichen Bauwerke sind wiederhergestellt, so die nach 1350 vollendete Lorenzkirche mit spätgotischem Hallenchor (1439–77), zu deren Kunstschätzen der »Englische Gruß« von V. Stoß (1517/18) und das Sakramentshaus von A. Krafft (1493–96) gehören. Nordwestlich dieser Kirche steht der Tugendbrunnen (1585–89), auf der Ostseite des Hauptmarktes die Frauenkirche (seit 1352) mit dem »Tucheraltar« (um 1440/50) und Werken von A. Krafft. Das Bild zeigt den Rundlauf der Figur an der Frauenkirche. Der Schöne Brunnen (14. Jahrhundert) wurde 1902/03 erneuert. Das Rathaus (14. Jahrhundert, seit 1616 im Stil eines italienischen Stadtpalastes neu errichtet) wurde wiederhergestellt. Die Sebalduskirche (um 1240–73) birgt das von P. Vischer dem Älteren und Söhnen gegossene Sebaldusgrab (1508–19) und die Kreuzigung von V. Stoß.

Erhalten oder wiederhergestellt sind: Fembohaus (1596, heute Museum), Albrecht-Dürer-Haus (wohl 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts), Weinstadel, Pilatushaus (auch »Haus zum geharnischten Mann«, 1489), Unschlitthaus, Tucherschlösschen, Mauthalle. Das Pellerhaus (1602–05) wurde weitgehend zerstört (heute Teile wiederhergestellt und in den Neubau von Stadtarchiv und -bibliothek einbezogen). Gegenüber dem Hauptbahnhof entstand das Neue Museum – Staatliches Museum für Kunst und Design (1996–2000, Architekt: Volker Staab). Der österreichische Architekt Günther Domenig errichtete das Dokumentationszentrum auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände (2001 eröffnet).

 

Geschichte

Die Stadt entstand bei der 1050 erstmals genannten Reichsburg Nürnberg (Burggrafen seit 1191 die Hohenzollern); erhielt 1200 Stadtrecht; 1219 Großer Freiheitsbrief Kaiser Friedrichs II., seit König Rudolf I. Aufstieg zur Freien Reichsstadt (bis 1806). Kaiser Karl IV. verpflichtete 1356 (Goldene Bulle) jeden Römischen König, in Nürnberg den 1. Reichstag abzuhalten; 1427 Erwerb der Burg und vieler Rechte durch die Stadt. 1424–1796 (sowie 1938–45) war Nürnberg Aufbewahrungsort der Reichsinsignien; wuchs zur gebietsmächtigsten deutschen Reichsstadt heran und erlangte im 15./16. Jahrhundert, besonders während der Reformation (1525 in Nürnberg eingeführt), politische Bedeutung und wirtschaftliche sowie kulturelle Blüte: u. a. Maler und Grafiker (M. Wolgemut, A. Dürer), Bildhauer (A. Krafft, V. Stoß), Erzgießer (Familie Vischer), Gelehrte (W. Pirckheimer, Regiomontanus, M. Behaim), Meistersinger (Hans Sachs). Im Dreißigjährigen Krieg (1632 schwedische Besetzung) stark geschwächt, erneuter Aufschwung nach dem Erwerb Nürnbergs durch Bayern (1806): Industrialisierung, Eröffnung der ersten deutschen Eisenbahn Nürnberg–Fürth (1835), Bau des Donau-Main-Kanals (1843–45). 1933 erklärte A. Hitler Nürnberg zur »Stadt der Reichsparteitage« (1927, 1929 und 1933–38 Nürnberger Parteitage). Schauplatz der Nürnberger Prozesse.