Straubing ist eine kreisfreie Stadt im Regierungsbezirk Niederbayern in Ostbayern mit etwas mehr als 45.000 Einwohnern. Sie ist eines von vier niederbayerischen Oberzentren und Verwaltungssitz der Planungsregion Donau-Wald. Die Mittelstadt ist die größte Stadt im Gäuboden. Das Stadtgebiet Straubings erstreckt sich entlang der Donau in Ost-West-Richtung, wobei sich der Großteil südlich der Donau befindet. Laut der Stadt Straubing sind 68,1 % der Bevölkerung römisch-katholisch, 13,8 % evangelisch und 18,1 % gehören einer anderen oder keiner Glaubensgemeinschaft an.

Straubinger Stadtansicht mit Donau
Bild: Stahlstich „Straubinger Donauufer“ von Johann Poppel um 1850

Angenehmes Klima

Wir finden in Straubing gemäßigtes Kontinentalklima vor. Durch den Bayerischen Wald im Norden, das niederbayerische Hügelland im Süden und die Lage in der niedrigen Flussebene ist die Stadt vor starken Winden geschützt. Kalte Winde aus Norden erreichen Straubing ebenso selten wie Föhnwinde aus Süden. Durch die Lage in der Donauebene bildet sich allerding häufig Nebel, vor allem in Frühling und Herbst.

Wärmster Monat ist der Juli mit durchschnittlich 18,1 Grad Celsius, kältester Monat ist der Januar mit −2,7 Grad Celsius im Mittel. Der größte Niederschlag fällt von Juni bis August mit durchschnittlich 85 bis 91 Millimeter, die geringste von Februar bis April mit 47 bis 51 Millimeter und im Oktober mit durchschnittlich 53 Millimeter.

Geschichte der Stadt

Altertum

Dort, wo heute die Stadt Straubing liegt, lassen sich seit etwa 5600 v. Chr. (Jungsteinzeit) nahezu ohne Unterbrechungen menschliche Ansiedlungen nachweisen. Bedeutend ist dabei vor allem die frühbronzezeitliche Straubinger Kultur. Ab etwa 500 v. Chr. siedelten hier die Kelten der Hallstattkultur in einem Oppidum. Von ihnen stammt auch der erste erhaltene Siedlungsname Sorviodurum.

Ein einschneidendes Ereignis für die Region war die Eroberung durch die Römer um die Zeitenwende. Noch heute finden sich viele Spuren der etwa 400 Jahre dauernden römischen Herrschaft, darunter vier Kastelle und der bekannte Römerschatz, der im Gäubodenmuseum ausgestellt ist. Die Römer behielten den keltischen Ortsnamen Sorviodurum und bauten die Stätte zu einem bedeutenden Militärplatz an der osträtischen Donaugrenze aus. Die Kastelle beherbergten erst eine reguläre und später eine Canathener-Kohorte, d. h. eine Spezialeinheit von etwa tausend Bogenschützen aus der Gegend des heutigen Syrien.

Mittelalter

Nach dem Ende des Römischen Reiches wurde Straubing fast übergangslos zu einem Siedlungszentrum der Bajuwaren, die sich vor allem im Bereich der alten römischen Siedlung um den heutigen Kirchhof von St. Peter zwischen Allachbach und Donau und des heutigen Stadtteils Alburg niederließen. Nach bajuwarischer Gepflogenheit wurde die neue Siedlung nach dem Sippenführer Strupo Strupinga genannt, woraus sich schließlich der Name Straubing entwickelte.

Nach Absetzung des letzten agilolfingischen Herzogs Tassilo wurde Straubing karolingisches Kammergut und kam unter Kaiser Otto dem Großen in Besitz des sächsischen Kaiserhauses, zuletzt an Kaiser Heinrich den Heiligen. Die erste urkundliche Erwähnung 897 fällt in diese Zeit. Kaiser Heinrich schenkte sein Gut zu Straubing seinem Bruder Bruno, damals Bischof von Augsburg. Nach dessen Tod 1029 ging die Grundherrschaft über das alte Straubing an das Augsburger Domkapitel über, von dessen Herrschaft sich die Stadt erst 1537 freikaufte. In die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts fällt schließlich als weithin sichtbares Symbol der Macht des Domkapitels der Neubau der Kirche St. Peter im romanischen Stil an der Stelle zweier Vorgängerbauten.

Der wittelsbachische Herzog Ludwig der Kelheimer setzte schließlich 1218 mit der Gründung der so genannten Straubinger Neustadt westlich des alten Siedlungszentrums ein deutliches Zeichen gegen die kirchliche Grundherrschaft des Augsburger Domkapitels, die nahe freie Reichsstadt Regensburg und die mächtigen Grafen von Bogen. Weitere Stadtgründungen in Niederbayern waren Landshut 1204 und Landau 1224.

Straubing entwickelte sich rasch zu einem Zentrum wittelsbachischer Herrschaft. Seit 1255 war die Stadt Sitz eines Viztums. Im 14. Jahrhundert entstanden der Stadtturm (Baubeginn 1316), die Basilika St. Jakob (um 1395) und der Stadtplatz. Heute stellt sich der gotische Stadtkern mit dem 800 m langen Stadtplatz als harmonischer Mix von gotischen Treppengiebeln, Renaissance-Erkern, Barock- und Rokokofassaden undklassizistischen Lisenen dar. Im Zuge der wittelsbachischen Erbteilungen wurde Straubing 1353 Hauptstadt des Herzogtums Straubing-Holland, das aber bereits 1425 im Mannesstamm erlosch und im Preßburger Schiedsspruch aufgeteilt wurde. Dennoch sind diese sieben Jahrzehnte für die Stadtgeschichte prägend wie keine andere Epoche.

Weitreichende Bekanntheit erlangte die Liebesgeschichte zwischen dem wittelsbachischen Erben Albrecht und der Baderstochter Agnes Bernauer, die 1435 in der Donau bei Straubing ein tragisches Ende fand. Als Sühne erbaute Herzog Ernst die Bernauer-Kapelle am Petersfriedhof, worin sich heute auch die Grabplatte findet.

Ab 1474 wurde der Befestigungsring um die Stadt erheblich erweitert. Um den Schiffsverkehr besser kontrollieren zu können und den für den Stadtsäckel wichtigen Zoll erheben zu können, verlegte man auch den Lauf der Donau durch die so genannte Bschlacht näher an die Stadt unter Nutzung des alten Altwasserarms.

Neuzeit

1568 fertigte der Drechslermeister Jakob Sandtner ein für diese Zeit erstaunlich präzises Modell seiner Heimatstadt Straubing an. Es ist heute ein herausragendes Dokument der Stadtgeschichte, das als Kopie im Gäubodenmuseum zu besichtigen ist. Sandtner erstellte im Auftrag des bayerischen Herzogs Albrecht V. weitere Stadtmodelle der damaligen Regierungsstädte München, Landshut, Ingolstadt und Burghausen. Diese und das Originalmodell von Straubing sind im Bayerischen Nationalmuseum in München zu besichtigen.

Im 16. Jahrhundert war Straubing das Zentrum der Reformation in Niederbayern, die Stadt musste sich aber schließlich der ausschließlichen Katholizität des Herzogtums Bayern beugen. Über die Rechtgläubigkeit der Stadt wachten ab 1614 die Kapuziner, ab 1631 die Jesuiten und andere Orden, die sich im 17. und 18. Jahrhundert dort niederließen, wie Ursulinen 1691, Franziskaner 1702 und Elisabethinen 1748, die sich vor allem um die Krankenpflege im Kloster Azlburg kümmerten.

Ein schwerer Schlag für Straubing war der Dreißigjährige Krieg: Rund 1800 der 4000 Einwohner fielen 1633 der schwedischen Besatzung oder der miteingeschleppten Pest zum Opfer. Sämtliche Anwesen um den Mauerring der Stadt wurden durch Beschuss zerstört. Erst Ende des 17. Jahrhunderts hatte sich die Stadt davon erholt und wurde im Zuge der Barockisierung zu einer wichtigen Wirkungsstätte der Bildhauer- und Malerfamilie Asam. Zusammen schufen die Brüder Asam die Klosterkirche der Ursulinen.

1704 wurde Straubing von den Österreichern besetzt (Spanischer Erbfolgekrieg). Auch 1742 und 1743 überstand die Stadt Belagerungen durch österreichische Truppen. Die daraus resultierende Wirtschaftskrise gipfelte im Bankrott der Stadt und dem großen Stadtbrand von 1780, der weite Teile der nördlich des Stadtplatzes gelegenen Quartiere in Schutt und Asche legte. Nach der Säkularisation verlor Straubing weitgehend seine politische Bedeutung als Regierungs- und Verwaltungssitz – die Stellung als wichtigster Markt- und Handelsplatz im Gäuboden zwischen Regensburg und Passau blieb aber weitestgehend erhalten.

Nach dem Vorbild des Münchner Zentrallandwirtschaftsfestes wurde 1812 in Straubing ein Kreislandwirtschaftsfest ins Leben gerufen, das heutige Gäubodenvolksfest. Die beiden Teile des Stadtplatzes wurden anlässlich des Besuchs des Thronfolgerpaares in Ludwigsplatz und Theresienplatz umbenannt.

20. Jahrhundert

Seit Ende des 19. Jahrhunderts befand sich in Straubing das größte bayerische Zuchthaus, damals ein modern eingerichteter Neubau. Ende des 20. Jahrhunderts kamen als weitere Einrichtungen die Bayerische Justizvollzugsakademie  und eine Anstalt für forensische Psychiatrie hinzu. Heute sind in der Justizvollzugsanstalt Straubing Straftäter mit Freiheitsstrafen von mehr als fünf Jahren untergebracht.

Straubing gehörte zu den ersten bayerischen Städten, die am Ende des Ersten Weltkriegs von der Novemberrevolution erfasst wurden. Am 8. November 1918 befreite ein Demonstrationszug Gefangene. Bereits am Nachmittag des 9. November hatte sich ein Arbeiter- und Soldatenrat gebildet, abends noch ein Bürgerrat.

Der im März 1933 ermordete Straubinger Otto Selz war das erste jüdische Opfer der NS-Herrschaft in Deutschland. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge der Jüdischen Gemeinde in der Wittelsbacherstraße von SA-Männern verwüstet. An die 43 jüdischen Bewohner, die dem Holocaust zum Opfer fielen, erinnert seit 1988 eine Gedenktafel am Mahnmal für die Opfer der Kriege im Pulverturm, an die Opfer von Zwangsarbeit ein Gedenkstein auf dem Friedhof St. Peter.

In der Nachkriegszeit erlebte Straubing einen großen wirtschaftlichen Aufschwung, der mit Namen wie der Skifirma Völkl oder dem Konzertelektronikhersteller Dynacord verbunden ist.

Am 1. Januar 1972 wurden die bis dahin selbständigen Gemeinden Hornstorf und Kagers eingegliedert. Am 1. Juli 1972 folgten Alburg und Ittling. Gebietsteile der aufgelösten Gemeinde Unterzeitldorn (bis zum 26. April 1951 Zeitldorn) kamen am 1. Juli 1976 hinzu.

1989 fand in Straubing die bayerische Landesgartenschau statt, 1992 die Landesausstellung Bauern in Bayern. 1997 wurde die 1100-Jahr-Feier der ersten urkundlichen Erwähnung der Stadt mit einem großen Bürgerfest am Stadtplatz abgehalten, die Deutsche Post gab aus diesem Anlass eine Sonderbriefmarke heraus. 2003 wurde die 650-Jahr-Feier des Herzogtums Straubing-Holland mit einer Reihe von Veranstaltungen begangen.

21. Jahrhundert

Wichtige Entwicklungen der letzten Jahre waren die Einrichtung des Industriegebietes Straubing-Sand, die Ausweisung großer Neubaugebiete im Osten und Westen der Stadt sowie die Ansiedlung des Kompetenzzentrums für Nachwachsende Rohstoffe im Jahre 2001.

Das Wissenschaftszentrum Straubing, das Technologie- und Förderzentrum und C.A.R.M.E.N. arbeiten hier eng zusammen. Am Wissenschaftszentrum wurden mehrere Lehrstühle der beteiligten Hochschulen, ein Bachelor- (seit 2013) und ein Masterstudiengang (seit 2008) Nachwachsende Rohstoffe sowie eine Fraunhofer-Projektgruppe(seit 2009) eingerichtet. Aufgrund der wissenschaftlichen Aktivitäten am Kompetenzzentrum wurde Straubing am 11. August 2007 durch Edmund Stoiber der Titel „Wissenschaftsstadt“ verliehen.

Straubing war von den Jahrhunderthochwässern 2002 und 2013 betroffen, aufgrund des nach dem Hochwasser von 1988 verbesserten Hochwasserschutzes entstanden jedoch nur vergleichsweise geringe Schäden.

Sehenswertes und Kultur

Veranstaltungen

  • Gäubodenvolksfest und Ostbayernschau (jährlich): zweitgrößtes Volksfest Bayerns
  • Agnes-Bernauer-Festspiele (alle vier Jahre, wieder 2019)
  • Internationales Musikfestival Bluval (jährlich)
  • Jazzfestival Bluetone (jährlich, vor 2012 unter dem Namen „Jazz an der Donau“ bekannt)
  • Frühlingsfest, seit 2014 unter dem Namen ökovita (jährlich)
  • Altstadtfest (jährlich)
  • Bürgerfest (ursprünglich alle zwei Jahre, zuletzt 2015)

Theater

  • Theater am Hagen (Zweigtheater des Landestheaters Niederbayern)
  • AnSTATT-Theater (Theater im Alten Schlachthof)
  • Volksbühne
  • Ateliertheater im ehemaligen Kaufhaus Paul

Musik

  • 1. Straubinger Akkordeonorchester 1973
  • Freies Fanfarenkorps Straubing
  • Collegium Musicum Straubing
  • Kammerchor Straubing
  • Niederbayerisches Kammerorchester
  • Volkschor Straubing
  • Stadtkapelle Straubing
  • Konzertfreunde Straubing
  • Anton-Bruckner-Gymnasium (Gymnasium mit musischem Zweig)
  • Bandhaus Straubing

Museen

  • Gäubodenmuseum mit dem Straubinger Römerschatz (darunter Teile von Paraderüstungen der römischen Reitertruppe)
  • Museum im Herzogsschloss (wechselnde Ausstellungen)

Bauwerke

  • Stadtturm
  • Herzogsschloss
  • Rathaus mit historischem Rathaussaal
  • Romanische Kirche St. Peter mit Friedhof St. Peter
  • Basilika St. Jakob und St. Tiburtius mit dem Moses-Fenster nach einem Entwurf von Albrecht Dürer. Basilica minor seit 1989.
  • Karmelitenkirche Hl. Geist des Karmelitenklosters Straubing: gotische Hallenkirche, erbaut von Hans von Burghausen
  • Ursulinenkirche: letztes gemeinsames Werk der Brüder Asam
  • Kirche St. Veit: 1393 als Votivkirche erbaut, im 18. Jahrhundert barockisiert
  • Dreifaltigkeitssäule
  • Wasserturm
  • Wallfahrtskirche Sossau im gleichnamigen Ortsteil

Weitere Sehenswürdigkeiten

  • Tiergarten Straubing: einziger Zoo Ostbayerns
  • Persiluhr (an der Kreuzung Innere Passauer Straße, Mühlsteingasse und Heerstraße): Orientierungs- und Treffpunkt
Gäubodenstadt Straubing