Rheinland-Pfalz, Land im Südwesten Deutschlands, 19 854 km2, (2013) 3,994 Mio. Einwohner. Rheinland-Pfalz (Abkürzung RP oder RLP) ist eine parlamentarische Republik, Landeshauptstadt ist Mainz. Rheinland-Pfalz wurde nach dem Zweiten Weltkrieg am 30. August 1946 gebildet. Hervorgegangen ist es hauptsächlich aus dem südlichen Teil der preußischen Rheinprovinz (Regierungsbezirke Koblenz und Trier), aus Rheinhessen, aus dem westlichen Teil von Nassau und aus der historischen Rheinpfalz ohne den Saarpfalz-Kreis.

rheinland pfalz

Landesnatur: Mittelgebirge und Rhein prägen den vielgestaltigen landschaftlichen Aufbau des Landes. Im Norden liegt das Rheinische Schiefergebirge mit dem größten Teil der Eifel, des Hunsrücks, des Westerwaldes und des Hintertaunus. Der Süden umfasst das Nordpfälzer Bergland, den Westrich, den waldreichen Pfälzer Wald, dessen östlicher Gebirgsrand, die Haardt, zum Oberrheinischen Tiefland mit Oberrheingraben und Rheinhessischem Hügelland abfällt. Rheinland-Pfalz gehört mit 42% Waldfläche zu den waldreichsten Ländern in Deutschland. Die wichtigsten Flüsse sind Rhein, Mosel Saar und Lahn.

In der Vulkaneifel, aber auch am Pechsteinkopf in der Haardt findet sich vulkanisches Gestein. Der Laacher See, der größte See in Rheinland-Pfalz, ist der Kratersee eines alten Vulkans, bei dem sich die Experten bis heute streiten, ob er wirklich ganz erloschen ist. In der Vulkaneifel finden sich weitere Maare sowie Kohlenstoffdioxidquellen, die mit dem Geysir Andernach den höchsten Kaltwassergeysir der Welt ermöglichen. Unter dem Dach des anerkannten nationalen Geoparks Vulkanland Eifel erläutern drei eingerichtete Geoparks die Geologie der Region und die vulkanischen Aktivitäten der Vergangenheit der Öffentlichkeit. Erdbeben mit schweren Folgen kommen praktisch nicht vor, doch werden der Rheingraben und das Neuwieder Becken als mäßig gefährdete Erdbebenzonen eingestuft.

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Bevölkerung: Rheinland-Pfalz liegt im Bereich der mittel- und rheinfränkischen Mundarten. Den relativ dünn besiedelten Landschaften der Mittelgebirge stehen die Ballungsräume von Ludwigshafen am Rhein, Mainz, Kaiserslautern, Koblenz und Trier gegenüber; dicht besiedelt sind auch das Rhein- und zum Teil das Moseltal. – 47,3 % der Bevölkerung gehören der katholischen Kirche an, 32 % den evangelischen Landeskirchen. – Rheinland-Pfalz hat (2006) fünf staatliche Universitäten (Mainz, Kaiserslautern, Trier, Koblenz-Landau, Speyer), zwei theologische Hochschulen mit Universitätsrang, die private Wissenschaftliche Hochschule für Unternehmensführung Koblenz, sieben staatliche Fachhochschulen, zum Teil mit Außenstellen in mehreren Städten, ferner eine katholische und eine evangelische Fachhochschule.

Wirtschaft: Die größten wirtschaftlichen Schwerpunkte in Rheinland-Pfalz – Rhein-Main-Gebiet und Rhein-Neckar-Raum (jeweils linksrheinischer Teil) sowie Mittelrheinisches Becken – liegen alle am Rhein. Der umsatzstärkste Industriezweig ist die chemische Industrie (Schwerpunkt Ludwigshafen am Rhein); es folgen der Straßenfahrzeugbau, das Nahrungs- und Genussmittelgewerbe, der Bereich Maschinenbau, Büromaschinen, EDV, die Kunststoffwarenherstellung, die Eisen-, Blech- und Metallwarenindustrie sowie die elektrotechnische, die Eisen erzeugende Industrie und die Industrie der Steine und Erden.

Regionale Schwerpunkte haben die Schuhindustrie (Raum Pirmasens), die Feinkeramik (Westerwald) und das Edelsteingewerbe (Raum Idar-Oberstein). Rheinland-Pfalz hat wenig Bodenschätze, ist aber reich an nutzbaren Steinen und Erden und besitzt zahlreiche Mineralquellen. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche beträgt (2005) 7 138 km2, davon dienen rund 56 % als Ackerland. Die größte Anbaufläche nimmt Getreide ein. Wichtigste Sonderkultur ist der Weinbau mit (2005) 627 km2 Anbaufläche. Rheinland-Pfalz erzeugt rund 66 % der deutschen Weinernte. Die Viehwirtschaft hat geringe Bedeutung. Wald nimmt 40,8 % der Fläche ein. – Rheinland-Pfalz hat Anteil an einer der wichtigsten Nord-Süd-Eisenbahnverbindungen Deutschlands, der am Mittel- und Oberrhein verlaufenden Strecke Ruhrgebiet–Alpen; das Pfälzer Gebrüch ist eine wichtige Ost-West-Verkehrsleitlinie; Autobahnen verbessern die Infrastruktur; Binnenschifffahrt auf Rhein, Mosel und Saar.

Kulinarisches: Bekannte Nahrungsmittel sind der Pfälzer Saumagen, Weck, Worscht un Woi, Lewwerknepp, Spundekäs und Handkäs. Im gesamten nördlichen Landesteil, besonders aber um Idar-Oberstein, ist der Spießbraten verbreitet, im Birkenfelder Land gilt Kartoffelwurst als Spezialität. Im Hunsrück, aber auch darüber hinaus, werden gerne gefüllte Klöße gegessen. Im Grenzgebiet zu Frankreich sind außerdem Gerichte wie Flammkuchen oder Zwiebelkuchen populär.

UNESCO-Welterbe: Bislang wurden vier rheinland-pfälzische Sehenswürdigkeiten bzw. Ensembles in die UNESCO-Liste des Welterbes aufgenommen:

  • 1981: Der Speyerer Dom
  • 1986: Die römischen Baudenkmäler sowie der Dom und die Liebfrauenkirche in Trier
  • 2002: Die Kulturlandschaft Oberes Mittelrheintal zwischen Bingen und Koblenz
  • 2005: Der 550 km lange Obergermanisch-Rätische Limes zwischen Rheinbrohl und Eining (länderübergreifend)

Rheinland-Pfalz hat im Sommer 2012 bei der Konferenz der Kultusminister für drei weitere Kulturerbe die Aufnahme in die deutsche Vorschlagsliste beantragt:

  • die drei rheinischen Kaiserdome von Mainz, Speyer und Worms – der bestehende Welterbestatus für den Speyrer Dom soll auf das Gesamtensemble der drei Dome ausgeweitet werden
  • das Erbe der SCHUM-Städte, der drei rheinischen jüdischen Zentren Schpira (Speyer), Warmaisa (Worms) und Magenza (Mainz)
  • die Sayner Hütte in Bendorf

Verfassung: Nach der Verfassung vom 18. 5. 1947 (mehrfach, zuletzt 2000, revidiert) liegt die Legislative beim Landtag (101 Abgeordnete, für 5 Jahre gewählt) und die Exekutive bei der Landesregierung unter Vorsitz des vom Landtag gewählten Ministerpräsidenten. Die Verfassung fixiert eine Reihe von Staatszielen und räumt die Möglichkeit von Volksinitiativen, -begehren und -entscheiden sowie der Verfassungsbeschwerde ein.

Geschichte: Die französische Militärregierung bildete durch Verordnung vom 30. 8. 1946 aus der ehemaligen bayerischen Pfalz, Rheinhessen, Teilen der preußischen Rheinprovinz und der Provinz Hessen-Nassau das Land Rheinland-Pfalz und setzte im Dezember 1946 W. Boden (CDU) als Ministerpräsidenten ein. Die CDU, 1947–91 stärkste Partei im Landtag, regierte 1971–87 allein, 1987–91 mit der FDP und stellte mit P. Altmeier (1947–69), H. Kohl (1969–76), B. Vogel (1976–88) und C. L. Wagner (1988–91) den Ministerpräsidenten. Ab 1991 regierte eine SPD/FDP-Koalition, 1991–94 unter R. Scharping, seit 1994 unter K. Beck (beide SPD; auch nach den Wahlen 2001 fortgesetzt).

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