Karlsruhe ist hinter Stuttgart die zweitgrößte Stadt des Landes Baden-Württemberg. Die Großstadt liegt rechtsrheinisch in der Trinationalen Metropolregion Oberrhein, ist Verwaltungssitz des Regierungsbezirks Karlsruhe und des Landkreises Karlsruhe und bildet selbst einen Stadtkreis (kreisfreie Stadt). Im Westen grenzt Karlsruhe an den Rhein und das Land Rheinland-Pfalz. Die Stadt ist Oberzentrum für die Region Mittlerer Oberrhein und Teile der Südpfalz.

Der Marktplatz in Karlsruhe mit der Pyramide
Der Marktplatz in Karlsruhe mit der Pyramide

Das 1715 gegründete Karlsruhe war Haupt- und Residenzstadt des ehemaligen Landes Baden. Charakteristisch für den ursprünglichen Stadtplan sind die 32 ringsum vom Schloss in die Parkanlagen und den Hardtwald der Oberrheinebene ausstrahlenden Straßen. Nur das südliche Viertel wurde zentrumsnah bebaut; seinem fächerförmigen Grundriss verdankt Karlsruhe den Beinamen „Fächerstadt“. Friedrich Weinbrenners klassizistische Bauten prägen das Bild der Stadterweiterung aus dem frühen 19. Jahrhundert.

Seit 1950 ist Karlsruhe Sitz des Bundesgerichtshofs und seit 1951 desBundesverfassungsgerichts, weshalb die Stadt auch „Residenz des Rechts“ genannt wird. Zahlreiche Behörden und Forschungseinrichtungen mit überregionaler Bedeutung sind in Karlsruhe angesiedelt. Unter den neun Hochschulen der Stadt ist das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) die älteste und größte. Großen Infrastruktureinrichtungen wie den beiden Rheinhäfen und der zweitgrößten Raffinerie Deutschlands steht eine ansonsten vorwiegendmittelständisch geprägte Wirtschaft gegenüber. Karlsruhe ist einer der bedeutendsten europäischen Standorte der Informations- und Kommunikationstechnik. Daran knüpft mit dem Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) auch eine der wichtigsten Kulturinstitutionen in der Stadt an. Andere, wie das Badische Landesmuseum oder die Staatliche Kunsthalle, gehören zum Erbe der Residenzzeit.

Klima

Karlsruhe ist mit einer Jahresmitteltemperatur von 10,7 °C eine der wärmsten Städte Deutschlands und mit einer jährlichen Sonnenscheindauer von im Mittel 1691,4 Stunden auch eine der sonnigsten. Die geschützte Lage im Oberrheingraben hat zur Folge, dass in Karlsruhe im Sommer oft eine drückende Schwüle herrscht. Die Winter in Karlsruhe sind meist mild und oft durch den für das Rheintal typischen Hochnebel geprägt. Im langjährigen Mittel hat Karlsruhe 17,1 Eistage pro Jahr.

Naturschutzgebiete

In Karlsruhe gibt es acht Naturschutzgebiete mit zusammen etwa 710 Hektar Fläche. Überwiegend handelt es sich um Feuchtbiotope in den Altrheingebieten der Rheinauen sowie in der Kinzig-Murg-Rinne. Seit 2010 steht der von der Wohnbebauung der Nordstadt und der Nordweststadt umgebene Alte Flugplatz unter Naturschutz, ein Sandgebiet der Niederterrasse, das seit dem 19. Jahrhundert militärisch genutzt wurde.

Die 17 Landschaftsschutzgebiete in Karlsruhe nehmen etwa 5760 Hektar ein und damit ein Drittel des Stadtgebiets. Unmittelbar ans Schloss im Stadtzentrum schließt sich mit den Parkanlagen des Schlossgartens und dem nördlichen Hardtwald ein 15 km langes, bis in den benachbarten Landkreis Karlsruhe reichendes und als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesenes Waldgebiet an. Südöstlich des Hauptbahnhofs liegt mit dem Oberwald ein weiteres großes Landschaftsschutzgebiet nahe bei der dicht besiedelten Südstadt.

Jüngere Geschichte der Stadt

Die Einwohnerzahl überschritt 1901 die Grenze von 100.000, wodurch Karlsruhe zur Großstadt wurde. Im Laufe der Zeit wurden zahlreiche Nachbargemeinden eingemeindet oder eingegliedert. Nach der Novemberrevolution 1918 verlor Karlsruhe die Funktion als Residenz und wurde Hauptstadt des Freistaates Baden. Karlsruhe war außerdem, wie schon zu Zeiten der Monarchie, Sitz desLandeskommissärbezirkes Karlsruhe.

Während des Zweiten Weltkriegs verlor Karlsruhe an politischer Bedeutung, als das dem Großdeutschen Reich inoffiziell angegliederte Elsass mit Baden zum Gau Baden-Elsaß, dem geplanten Reichsgau Oberrhein vereinigt und dessen politisches Zentrum nach Straßburg verlegt wurde. In der Wagner-Bürckel-Aktion verschleppte man die noch im Gebiet dieses Reichsgaus lebenden Juden in das Lager Camp de Gurs. Ebenso wurden die vor allem im„Dörfle“ ansässigen Familien der Sinti und Roma im Mai 1940 vom Polizeipräsidium am Marktplatz über den Hohenasperg nach Auschwitz deportiert.

Die Schuttbahn oder auch Schuttbaehnle beim Wegfahren der Reste am Schlosspark Karlsruhe
Die Schuttbahn oder auch Schuttbaehnle beim Abtransport im Schlosspark

Zwischen 1940 und 1945 sind 135 Luft- und Artillerieangriffe der Alliierten auf Karlsruhe dokumentiert, darunter 13 Großangriffe mit mehr als 100 Bombern. Mindestens 12.000 Tonnen Spreng- und Brandbomben wurden über der Stadt abgeworfen. 1754 Menschen starben und 3508 wurden verletzt. Karlsruhe wurde, je nach Berechnungsgrundlage, zu 24 bis 38 % zerstört. Am 4. April 1945 besetzte die 1. Französische Armee die Stadt nach geringem Widerstand.

Nach dem Krieg wurde Karlsruhe der amerikanischen Besatzungszone und dem Land Württemberg-Baden zugeschlagen, seit der Schaffung des Landes Baden-Württemberg 1952 gehört Karlsruhe diesem an.

In der Bundesrepublik Deutschland wurde Karlsruhe zur „Residenz des Rechts“: 1950 nahm derBundesgerichtshof dort seine Arbeit auf. Am 28. September 1951 folgte das Bundesverfassungsgericht. Erster Präsident wurde der FDP-Politiker Hermann Höpker-Aschoff. Von 1952 bis 1972 war Karlsruhe Sitz des Regierungsbezirks Nordbaden, seit dem 1. Januar 1973 ist es Sitz des Regierungsbezirks Karlsruhe.

Die Bundesgartenschau 1967 fand in Karlsruhe statt. Zu diesem Anlass wurden Stadtgarten, Zoo und Schlosspark zum Teil erheblich umgestaltet und den Freizeitbedürfnissen der Bürger angepasst.

1969 wurde die Stadt Karlsruhe mit dem Europapreis für ihre hervorragenden Bemühungen um den europäischen Integrationsgedanken ausgezeichnet.

1972 begann die Stadt auf der Kaiserstraße Fußgängerzonen einzurichten. Der heutige Zustand einer durchgehenden Fußgängerzone von Kronen- bis Europaplatz wurde 1984 erreicht.

Die Gemeinde Neureut wurde als letzte 1975 trotz heftigen Widerstandes der dortigen Bewohner nach Entscheidung des Staatsgerichtshofs eingemeindet. Umgangssprachlich wird heute noch von einer „zwangsweisen“ Eingliederung oder „Zwangseingemeindung“ gesprochen.

Am 7. April 1977 wurde Generalbundesanwalt Siegfried Buback auf dem Arbeitsweg gemeinsam mit seinem Fahrer und einem Justizbeamten von Terroristen der Rote Armee Fraktion ermordet.

Am 12. und 13. Januar 1980 wurde im Kongresszentrum die Bundespartei Die Grünen gegründet.

Deutschlands erste echte E-Mails wurden am 2. August 1984 im Rechenzentrum der Karlsruher Universität empfangen und gesendet: Der Karlsruher Internetpionier Werner Zorn beantwortete den offiziellen Willkommensgruß des US-amerikanischen CSNet, einer herstellerübergreifenden Plattform zur elektronischen Kommunikation von Wissenschaftlern.

Vom 20. bis zum 30. Juli 1989 fanden in Karlsruhe die dritten alternativen World Games statt, das ist ein internationaler Wettkampf für Sportler und Athleten, deren Sportarten nicht im olympischen Programm vertreten sind. Es nahmen 1965 Sportler in 19 Disziplinen teil.

Am 13. Juni 1995 wurde die Baden-Airport GmbH gegründet. Diese baute im 30 km südwestlich gelegenen Söllingen einen ehemaligen kanadischen Fliegerhorst zu einem überregionalen Flughafen aus und schloss Karlsruhe damit an das internationale Flugverkehrsnetz an.

21. Jahrhundert

2003 wurde im benachbarten Rheinstettener Stadtteil Forchheim die Messe Karlsruhe zur Ausrichtung nationaler und internationaler Fach- und Publikumsmessen eröffnet.

Am 7. September 2005 eröffnete mit dem ECE-Einkaufscenter Ettlinger Tor nach rund zweijähriger Bauzeit das größte innerstädtische Einkaufszentrum Süddeutschlands seine Pforten. Etwa vier Jahre zuvor wurde am 27. September 2001 in der ehemaligen Hauptpost am Europaplatz mit der Post Galerie das erste innerstädtische Einkaufszentrum in Karlsruhe eröffnet.

Am 25. Mai 2009 erhielt die Stadt den von der Bundesregierung verliehenen Titel „Ort der Vielfalt“. Am 21. Januar 2010 setzten Ministerpräsident Günther Oettinger, Staatssekretär Rainer Bomba und der Karlsruher Oberbürgermeister Heinz Fenrich im Zuge der Kombilösung am Europaplatz den ersten Spatenstich zum Bau des Stadtbahntunnels, der die Haupteinkaufsstraße vom Schienenverkehr entlasten soll.

Im zweiten Quartal 2014 überschritt die Einwohnerzahl von Karlsruhe erstmals die 300.000.

Bevölkerung

Karlsruhe ist nach den Zahlen des Statistischen Landesamts Baden-Württemberg mit 299.104 Einwohnern (Stand: 01.01.2014) hinter Stuttgart und vor Mannheim die zweitgrößte Stadt in Baden-Württemberg und nimmt Platz 21 unter den größten deutschen Städten ein. Das städtische Melderegister verzeichnete 312.174 Wohnberechtigte im Juni 2014, darunter 295.293 mit Hauptwohnsitz.

Sehenswertes Karlsruhe

Museen

  • Bildende Künste, Kunsthandwerk
    • Badischer Kunstverein
    • Museum beim Markt, Sammlungen zur angewandten Kunst seit 1900
    • Museum für Neue Kunst
    • Museum in der Majolika
    • Orgelfabrik
    • Staatliche Kunsthalle Karlsruhe
    • Städtische Galerie
    • Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM)
  • Naturkunde
    • Naturkundezentrum Rappenwört
    • Staatliches Museum für Naturkunde
  • Geschichte
    • Badisches Landesmuseum
    • Badisches Schulmuseum Karlsruhe
    • Durlacher Stichekabinett
    • Erinnerungsstätte Ständehaus
    • Karpatendeutsches Museum in der Karlsburg
    • Rechtshistorisches Museum (im BGH)
    • Stadtmuseum im Prinz-Max-Palais
  • Technik und Verkehr
    • Michelin-Museum
    • RetroGames, Museum mit Arcade-Spielen
    • Verkehrsmuseum Karlsruhe
    • Wasser- und Brunnenmuseum
  • Literatur
    • Museum für Literatur am Oberrhein
  • Heimatpflege
    • Heimathaus Neureut
    • Heimatmuseum Stupferich
    • Knielinger Museum im Hofgut Maxau
    • Pfinzgaumuseum in der Karlsburg
  • Weitere Museen
    • Blechdosenmuseum

Garten- und Städtebau

  • Alter Friedhof Durlach
  • Alter Friedhof Karlsruhe
  • fächerförmiger Stadtgrundriss
  • Botanische Gärten
    • Botanischer Garten Karlsruhe beim Schloss
    • der Universität
    • der PH
  • Europaplatz
  • Friedrichsplatz
  • Hauptfriedhof Karlsruhe
  • Kaiserstraße, Haupteinkaufsstraße der Stadt
  • Kongresszentrum Karlsruhe mit Festplatz, umrahmt von Stadthalle, Gartenhalle, Schwarzwaldhalle,Nancyhalle und Konzerthaus
  • Ludwigsplatz
  • Marktplatz
  • Rondellplatz mit Verfassungssäule
  • Schlossgarten, im Stil Englischer Landschaftsgärten
  • Schlossplatz, viertelkreisförmige, barocke Parkanlage im Stadtzentrum
  • Zoologischer Stadtgarten Karlsruhe

Bauwerke

Schloss Karlsruhe
Schloss Karlsruhe
  • Schlösser
    • Schloss Karlsruhe (ehemalige Residenz der Markgrafen und Großherzöge von Baden, jetzt Badisches Landesmuseum)
    • Fasanenschlösschen mit chinesischen Teehäuschen im Fasanengarten (jetzt forstliche Lehranstalt)
    • Schloss Gottesaue (Renaissance, seit 1989 Musikhochschule)
    • Schloss Augustenburg (Grötzingen, landwirtschaftliche Forschungsanstalt)
    • Karlsburg Durlach (ehemalige Residenz der Markgrafen von Baden-Durlach)
    • Ruine Durlach auf dem Turmberg
  • Bedeutende Kirchen
    • Evangelische Stadtkirche von Friedrich Weinbrenner
    • Bonifatiuskirche
    • Christuskirche
    • Gedächtniskirche
    • Kleine Kapelle
    • Kleine Kirche
    • Lutherkirche von Robert Curjel und Karl Moser
    • St. Bernhard, Bernharduskirche (→ Bild der Marienglocke)
    • St. Stephan, kath. Stadtkirche, von Friedrich Weinbrenner
    • Unserer Lieben Frau: Einige der Fenster der Kirche wurden von Valentin Peter Feuerstein gestaltet.
    • St. Judas Thaddäus von Ottokar Uhl
  • Andere Bauwerke
    • Badische Landesbibliothek von Oswald Mathias Ungers
    • Badisches Staatstheater
    • Bundesverfassungsgericht von Paul Baumgarten
    • Erbgroßherzogliches Palais, Sitz des Bundesgerichtshofs
    • Europahalle (Großsporthalle)
    • Fernmeldeturm Grünwettersbach (144 m hoher Typenturm FMT 2 von 1968. Geographische Koordinaten: 48° 57′ 24″ N, 8° 27′ 7″ O)
    • Filmpalast am ZKM
    • Hauptbahnhof
    • Hauptfeuerwache
    • Hauptgebäude der Universität von Heinrich Hübsch
    • Haus Solms
    • Heinrich-Hübsch-Schule von Heinz Mohl
    • Markgräfliches Palais
    • Großherzogliche Grabkapelle
    • Staatliche Münze von Friedrich Weinbrenner
    • Prinz-Max-Palais
    • Rathaus und Rathaus West
    • Schwedenpalais
    • Jugendstil-Kolonie Baischstraße
    • Siedlung Dammerstock
    • Vierordtbad
    • Wildparkstadion
    • Mensa Moltke bei der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft von Jürgen Mayer H.

Denkmäler und Skulpturen

  • Indianerbrunnen
  • Kaiser-Wilhelm I.-Denkmal
  • Leibgrenadierdenkmal
  • Leibdragonerdenkmal
  • Musengaul von Jürgen Goertz am Badischen Staatstheater
  • Pyramide auf dem Marktplatz, das Wahrzeichen der Stadt
  • Tor der Schmerzen und Gedenkstein des Bildhauers Carl Egler zur Erinnerung an 289 Opfer des „Euthanasie“-Tötungsprogramms T4 in der NS-Diktatur
  • Ehrengrab mit der Aschenurne des SPD-Stadtverordneten Ludwig Marum, der 1934 im KZ Kislau ermordet wurde
  • Grabstätte mit Gedenkkreuz für 249 sowjetische Kriegsgefangene auf dem jüdisch-liberalen Friedhof
  • Gedenktafel aus dem Jahre 1963 am Haus Kronenstraße 15 an die beim Novemberpogrom 1938 zerstörteSynagoge
  • Mahnmal im Inneren des Bundesgerichtshofes Herrenstraße 45a von dem Münchner Künstler Otl Aicherfür die von NS-Unrecht betroffenen Deutschen
  • Gedenkstein für den unbekannten Deserteur im Gewerbehof Lidellplatz mit einem Zitat von Kurt Tucholsky
  • Gedenkstele des Bildhauers Karl Huber in der Krummer Straße des Stadtteils Grötzingen zur Erinnerung an die 1938 zerstörte Synagoge
  • Gedenktafel von 1991 am früheren Haus eines jüdischen Händlers gegenüber dem Rathaus von Grötzingen zur Erinnerung an Verfolgte der NS-Gewaltherrschaft
  • Platz der Grundrechte
  • Stolpersteine in Karlsruhe

Sonstiges

  • Rheinauen
  • Turmberg mit Aussichtsplattform
  • Turmbergbahn, Standseilbahn in Durlach
  • Volkssternwarte Karlsruhe im Stadtteil Rüppur mit einem historischen Teleskop

Quellen: Wikipedia, Georg Patzer: Kleine Geschichte der Stadt Karlsruhe (2004), 

Pyramidenstadt in Baden-Württemberg: Karlsruhe