Berchtesgaden ist eine Marktgemeinde im Landkreis Berchtesgadener Land, Bayern, 520–1 100 m über dem Meeresspiegel, zwischen Untersberg, Watzmann und Hohem Göll gelegen. Die Gemeinde ist etwa 20 Kilometer südlich von Bad Reichenhall entfernt, 24 Kilometer von Salzburg, etwa 150 Kilometer südöstlich von München und 200 Kilometer nordöstlich von Innsbruck.

Berchtesgaden
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberbayern
Landkreis: Berchtesgadener Land
Höhe: 572 m ü. NHN
Fläche: 35,62 km²
Einwohner: 7781 (31. Dez. 2014)
Bevölkerungsdichte: 218 Einwohner je km²
Postleitzahl: 83471
Vorwahl: 08652
Kfz-Kennzeichen: BGL

Eine Reise ins Berchtesgadener Land

Blick auf Berchtesgaden

Etwa 7.800 Einwohner zählt der heilklimatische Kurort, in dem man als Besonderheit auch Solebäder findet. Bekannt für sein Wintersportzentrum, eine Fachschule für Holzschnitzerei, das gerade auch für Klassenfahrten sehr beliebte Salzbergwerk mit Museum, Dokumentation Obersalzberg – Orts- und Zeitgeschichte und bedeutender Fremdenverkehr finden sich am Alpenrand. Am alten Marktplatz steht eine romanisch-gotische Stiftskirche mit ehemaligen Stiftsgebäuden (Schloss und Museum).

Die Pröpste des 1102 gegründeten Augustinerchorherrenstifts Berchtesgaden erhielten 1156 Forsthoheit und Schürfrechte auf Salz und Metall und erlangten die Landeshoheit. Berchtesgaden fiel 1803 an Erzherzog Ferdinand von Toskana, 1805 an Österreich, 1809/10 an Bayern.

Die Gemeinde Berchtesgaden gehört zusammen mit den anderen Gemeinden des Landkreises Berchtesgadener Land zum Vorfeld des Nationalparks Berchtesgaden und ist dessen Verwaltungssitz. Der Nationalpark wurde ab 1978 offiziell zum Alpenpark Berchtesgaden erklärt. 1990 erklärte die UNESCO den Alpenpark zum Biosphärenreservat Berchtesgaden. Seit Juni 2010 zum Biosphärenreservat Berchtesgadener Land erweitert, bezieht es jetzt den ganzen Landkreis ein.

Tradition und L(i)ebenswertes

Die Berchtesgadener Weihnachtsschützen pflegen seit 1708 an den kirchlichen Feiertagen (insbesondere Weihnachten) das Böllerschießen. Am 5. und 6. Dezember, dem Nikolaustag, ziehen Bassen (Gruppen) von Nikolausdarstellern mit Buttnmandln (Strohbassen) oder der Nikolaus mit Kramperl durch den Markt.

Zu Palmsonntag werden Palmbuschen gefertigt. Die Berchtesgadener Variante des Palmbuschen sind noch nicht blühende, mit bunten „Gschabertbandl“ bzw. gefärbten dünnen Holspänen geschmückte Palmkätzchenzweige, die zusammen mit Lebensbaum- und Buchsbaumzweigen am oberen Ende eines rund einen Meter langen Haselnusssteckens fixiert werden.

Am 24. Februar 1958 wurde die Berchtesgadener Faschingsgilde gegründet. Deren spätere Aufnahme freundschaftlicher Beziehungen zu einer Gilde in Opladen führte auch zu fremdenverkehrsfördernden Berchtesgadener Wochen in Opladen und Leverkusen.

Am 26. November 1962 wurde der Verein für Heimatkunde des Berchtesgadener Landes gegründet, dessen Name 2012 anlässlich seines 50-jährigen Bestehens in Heimatkundeverein Berchtesgaden e. V. geändert wurde.Er sieht seine Aufgabe darin, „die historische Vielfalt der Region zu entdecken, darzustellen und einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln“.

Die Berchtesgadener Tracht ist insbesondere als Festtagskleidung an Sonn- und Feiertagen ein verbreiteter Brauch. Die Berchtesgadener Trachtenvereine Almrauscher, D’Edelweißer und D’Untersberger (Stammverein) sowie D’Kehlstoana (Salzberg) und D’Weißenstoana (Au) sind den Vereinigten Trachtenvereinen des Berchtesgadener Landes e. V. und dem Gauverband I angegliedert. Diese Vereine pflegen neben der originalen Tracht auch den Schuhplattler.

An Dialekten wird neben dem Hochdeutschen als Amts- und Verkehrssprache eine mehr oder weniger ausgeprägt westmittelbairische Mundart gesprochen, die sich bis in die 1980er-Jahre von den Nachbargemeinden und den seit 1972 eingemeindeten Ortsteilen leicht unterschied.

Zahlreiche Sagen spielen in Berchtesgaden und seinen Bergen. Der Ursprung des Namens Berchtesgaden leitet sich angeblich von der Sagengestalt Berchta oder Perchta ab, die auch mit Frau Holle gleichgesetzt wird. Eine andere Sage behauptet, der Name sei auf einen Berchtold zurückzuführen, dem eine Nixe vom Königssee den Weg zum Salz und zur rechtschaffenen Arbeit als Bergmann im Salzbergwerk Berchtesgaden gewiesen habe.

Tourismus

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Berchtesgaden dank seiner Sehenswürdigkeiten und Naturdenkmale zu einem Touristenziel mit rapide wachsenden Gästezahlen. Der Aufschwung setzte sich nach dem Zweiten Weltkrieg fort, anfangs vor allem auch wegen des Führersperrgebiets in seiner Gnotschaft Obersalzberg und der damit verbundenen Rolle Berchtesgadens in der Zeit des Nationalsozialismus. Dabei war das auf dem gleichnamigen Berg gelegene Obersalzberg keineswegs nur „Wallfahrtsstätte für Ewiggestrige“, sondern gehört bis heute regelmäßig zum Besuchsprogramm amerikanischer Salzburg-Touristen.

Seit den 1990er-Jahren sind die Gästezahlen jedoch rückläufig, und die Gemeinde sucht sich mit Ökologie und umweltverträglicherem Tourismus zu profilieren.

Innerhalb der Gemeinde befinden sich drei der als Big Five bezeichneten touristischen Angebotsschwerpunkte des südlichen Landkreises: das Kehlsteinhaus, das Salzbergwerk und die Watzmanntherme. Das Salzbergwerk bietet Führungen durch einige Stollen sowie einen großen Salzheilstollen für Speläotherapien an. Es ist seit Jahrhunderten der größte Arbeitgeber der Gemeinde. Seit Ende des Zweiten Weltkriegs bildet der Ortsteil Obersalzberg wegen seiner Rolle in der Zeit des Nationalsozialismus eine weitere „Attraktion“, jedoch keineswegs nur als „Wallfahrtsstätte für Ewiggestrige“. Der Obersalzberg gehört bis heute unter anderem regelmäßig zum Besuchsprogramm amerikanischer Salzburg-Touristen.

Als Mitglied der Kooperation Alpine Pearls versucht Berchtesgaden, neue Akzente zu setzen und den Tourismus umweltverträglicher zu gestalten. So werden neuerdings beliebte Sportaktivitäten wie Skitourengehen und die Kombination aus Schneeschuhwandern und Snowboarden innerhalb des Nationalparks als problematisch für die dort lebende Fauna angesehen, insbesondere dann, wenn sie auch nachts ausgeführt werden. Dem wurden allerdings bislang nur erste „lenkungswirkende Maßnahmen“ für die Besucher entgegengesetzt, wie eine Beschilderung und die ehrenamtliche Betreuung solcher Maßnahmen. Mittlerweile sind mehr als die Hälfte der Arbeitsplätze in Berchtesgaden mit dem Tourismus in Verbindung zu bringen.

Sehenswürdigkeiten

Das Schloss Berchtesgaden, nach 1810 Sommerresidenz der Wittelsbacher, war früher Zentrum eines kleinen geistlichen Staates. Das um 1102/1105 gegründete Augustiner Chorherrenstift war bis zur Säkularisation 1803 die Residenz der Landesherren. Kronprinz Rupprecht von Bayern wohnte hier mit seiner Familie von 1922 bis 1933 und stattete das Schloss mit seinen Kunstsammlungen aus.

Das Schloss Adelsheim wurde 1614 erbaut. Hier verstarb der letzte Berchtesgadener Fürstprobst Joseph Conrad v. Schroffenberg (1780-1803). Heute befindet sich hier die Berchtesgadener Handwerkskunst und das Heimatmuseum mit einer sehenswerten Sammlung über die Kunst und Kultur des Berchtesgadener Landes. Schnitzwaren in Holz und Bein, Spanschachteln, Bilder, Ortsgraphik, Trachten, Möbel, Hausrat usw.

Der Marktplatz von Berchtesgaden präsentiert sich in bestem alpenländischen Rokoko. So wurde das Neuhaus 1576 von Fürstprobst Jakob II. Püttrich als Stiftstaverne erbaut und seither den vielen Touristen als gern besuchtes Rasthaus dient. Der Marktbrunnen wurde im Jahre 1558 von Maximilian Heinrich (Fürstprobst, zugleich Kurfürst von Köln) errichtet, 1677 und 1860 neu gefaßt. Das Hirschenhaus, erbaut 1594, früher Gasthaus, präsentiert die landesspezifische Lüftlmalerei, die an der Rückseite des Hauses parodierte Affenszenen aus dem Jahre 1610 zeigen.

Theater und Kinos

Das Berchtesgadener Bauerntheater hat seit 1905 einen Spielort in Berchtesgaden, seit 1937 in einem Nebengebäude des Hotel Watzmann am Franziskanerplatz. Ab 1965 wurden einige seiner Inszenierungen unter Direktor Franz Hafner für das Fernsehen aufgezeichnet.

Nahezu zeitgleich mit Gründung des Berchtesgadener Bauerntheaters hatte Gabriel Gailler 1906 sein Marionettentheater, mit dem er zuvor in Südostbayern auf Tournee war, an Ludwig „Quickei“ Walch verkauft. Walch hat dann insbesondere während der Fastenzeit an den Sonntagnachmittagen im Gasthaus Neuhaus Vorführungen gegeben. Seine letzte Aufführung hatte er 1936 im Gasthaus Goldener Bär in Berchtesgaden.

Die Marktbühne Berchtesgaden ist ein Laienensemble, das u. a. Stücke von Eugène Ionesco, Johann Nestroy und Ken Campbell einstudiert, aber auch eigene Stücke produziert. In Berchtesgaden bislang auf das örtliche Jugendheim als Probenraum und Spielstätte angewiesen, gastiert die Marktbühne oft in der näheren Umgebung.

In Berchtesgaden wurde 1949 das Schwabenwirt-Kino im Rückgebäude des einstigen Schwabenwirtshauses eingerichtet und 1973 im Kur- und Kongresshaus Berchtesgaden das Kurkino, das 1979 von dem Begründer und Eigner des Schwabenwirt-Kinos, Kurt Klegraefe, übernommen wurde. Beide Kinos firmierten zusammen als Kinos Berchtesgaden. Ende November 2012 wurde das Schwabenkino nach 63 Jahren Betriebszeit geschlossen und seither ist nur noch das Kino im Kur- und Kongresshaus Berchtesgaden im Besitz der Familie Klegraefe (Stand: 2012). Im ganzen Landkreis gibt es neben diesem nur noch ein weiteres Kino in Bad Reichenhall.

Museen

Das 1614 am nördlichen Rand des Ortskerns von Stiftsdekan Degenhart Neuchinger erbaute Schloss Adelsheim war erst nobler Bürgerwohnsitz, ab 1795 Sitz des Kurfürstlich Bayerischen Hauptsalzamtes und bis 1803 Residenz des letzten Fürstpropstes von Berchtesgaden, Joseph Konrad von Schroffenberg-Mös. Seit 1961 beherbergt es das Heimatmuseum Berchtesgaden.

Das Königliche Schloss Berchtesgaden zeigt in seinen Räumen zwei Sammlungen. Die Ostasiensammlung umfasst japanisches, chinesisches und europäisches Porzellan der Manufakturen Nymphenburg, Frankenthal und Meißen aus dem 16. bis 20. Jahrhundert. Das Rehmuseum verfügt über eine wildwissenschaftliche Sammlung mit Ausstellungsstücken, die Herzog Albrecht von Bayern (1905–1996) überwiegend aus dem Revier Weichselboden persönlich zusammengetragen und bearbeitet hat. Besichtigungen sind nur im Rahmen einer Führung möglich. Daneben bietet das Schloss mit Kerzen beleuchtete Abendführungen an; jeden Freitag findet Eine kleine Schlossmusik statt.

Im Nationalparkhaus am Franziskanerplatz, einer Dependance des Nationalparks Berchtesgaden, sind eine Dauerausstellung zur Almwirtschaft zu besichtigen sowie eine Wanderausstellung zum Thema „Ökologischer Verbund“ beziehungsweise „Artenvielfalt braucht Biotopverbund“ abzurufen.

Die 1999 eröffnete Dokumentation Obersalzberg sucht die Vergangenheit des Obersalzbergs als „Führersperrgebiet“ zu beleuchten und die Verbindungen zur NS-Politik aufzuarbeiten. Sie zielt damit u. a. auch darauf, den bis dahin allein auf „kommerzielle Ausbeutung“ bedachten Fremdenverkehrsinteressen entgegenzuwirken, die den Kiosken an der Haltestelle zum Kehlsteinhaus seit Jahrzehnten auch den Verkauf von „Geschichtsmüll“ zubilligten, „Andenken mit idyllischen NS-Motiven und vor allem reißerische Hochglanzbroschüren, die scheinbar objektiv über das Geschehen auf dem Obersalzberg in der NS-Zeit informierten, tatsächlich aber die Geschichte verklärten und das nationalsozialistische Regime verharmlosten.

Kirchen

Die Christuskirche wurde von August Thiersch zwischen 1897 und 1899 im neogotischen Stil aus Kälbersteinmarmor am Ende der Ludwig-Ganghofer-Straße errichtet und ist die erste und bislang einzige evangelisch-lutherische Kirche in Berchtesgaden.

Die 1122 errichtete Stiftskirche St. Peter und Johannes der Täufer war bis 1803 Teil des Augustinerchorherrenstifts beziehungsweise der Fürstpropstei Berchtesgaden und ist seitdem Pfarrkirche der römisch-katholischen Pfarrei St. Andreas. Die Pfarrkirche St. Andreas am Rathausplatz neben der Stiftskirche wurde von den Bürgern des Markts Berchtesgaden im Jahr 1397 errichtet. Sie erhielt beim Umbau ab 1480 ihr heutiges Äußeres, die Barockisierung und Erweiterung ihres Innenraums erfolgte von 1698 bis 1700.

Die Franziskanerkirche am Franziskanerplatz, erbaut in den Jahren 1480 bis 1488, war bis 1575 Teil eines Frauenstifts der Augustinerinnen, deren Anlagen ab 1695 von Franziskanern als Kloster übernommen wurden. Die als Filialkirche genutzte Hilgerkapelle (Maria Dorfen) wurde 1725 unter Fürstpropst von Rehlingen erbaut. Den Kalvarienberg stattete Fürstpropst Michael Balthasar von Christalnigg 1760 trotz großer Schulden des Berchtesgadener Landes mit vier Neben- und einer Hauptkapelle aus.

In der Wallfahrtskirche Maria Gern, erbaut von 1708 bis 1724, befindet sich über dem Hochaltar das geschnitzte Gnadenbild einer Madonna mit Kind von 1666. Sie wird jeweils passend zum Abschnitt des Kirchenjahres mit prächtigen Barockgewändern in den entsprechenden Farben bekleidet. Bemerkenswert sind auch die zahlreichen Votivtafeln, mit denen Gläubige sich für die Erhörung ihrer Gebete bedankten.

Die Pfarrkirche Zur Heiligen Familie wurde 1908 nach einem Entwurf von Franz Rank im heutigen Ortsteil Au fertiggestellt. Den Altar, gestiftet von Prinzregent Luitpold von Bayern, schuf Theodor Kolmsperger, Altarbild und Leonhardaltar Waldemar Kolmsperger Junior. Seit 1992 hat die Auer Pfarrgemeinde mit der Franziskuskirche eine Filialkirche auf der Buchenhöhe.

Dank der Privatinitiative und den Eigenleistungen von Berchtesgadener Bürgern wurden in jüngerer Zeit noch folgende zwei Kirchengebäude errichtet:

  • in den Jahren 1929 bis 1932 Maria am Berg auf einem Hang des Kiliansberges im Ortsteil Metzenleiten.
  • von 2007 bis 2009 die Kapelle der Seligpreisungen auf dem Lockstein, die vom Nonntal aus an neun Bronze-Plastiken auf Stelen aus Betonguss vorbei, den Abschluss eines Meditationsweges bildet.

Parks

Der Kurpark (auch: Kurgarten oder Kongressgarten) wurde erst 1957 nach den Plänen des Gartenarchitekten Alwin Seifert gestaltet, wiewohl der Markt den zuvor als Gärtnerei betriebenen Hofgarten bereits am 29. Dezember 1936 vom Wittelsbacher Ausgleichsfonds erworben wurde. Er ist heute dem Kur- und Kongresshaus angegliedert.

Der Luitpoldpark liegt gegenüber der Königlichen Villa zwischen der Kälbersteinstraße und der Von-Hindenburg-Allee. In seiner Mitte steht das von Ferdinand Freiherr von Miller geschaffene Bronzedenkmal des Prinzregenten Luitpold von Bayern in Jagdkleidung. Mit der Aufstellung des Denkmals wurde 1893 der Park eröffnet.

Auf dem 1685 angelegten Alten Friedhof neben der Franziskanerkirche befinden sich die Grabstätten alteingesessener Bürgerfamilien aus Berchtesgaden mit bedeutenden Grabdenkmälern u. a. für Richard Voß und Mauritia Mayer. Gleich am Eingang liegt das Ehrengrab von Anton Adner (1705–1822), der mit 117 Lebensjahren der bislang älteste Bayer war

Geologie

Der Ort liegt inmitten der gleichnamigen Berchtesgadener Alpen, deren Basis meist Ramsaudolomit bildet. Über dem Dolomit liegt nicht selten eine bis zu 1000 Meter mächtige Schicht Dachsteinkalk. In dem gebankten Dachsteinkalk finden sich Muschelschalen, die wegen ihrer Halbmondform Kuhtritte genannt werden. Die in dünnen Dolomitschichten eingelagerten Algenmatten lassen auf Ablagerungen eines tropischen Flachmeeres schließen, die innerhalb von ca. 15 Millionen Jahren den Kalk entstehen ließen.

Der Steinbruch auf dem Kälberstein, von dem nur ein Teil zu Berchtesgaden gehört, weist stratigraphisch Liegendes auf. Es setzt das Hallstätter Kalkprofil fort und enthält das unterkarnische Terrigenintervall.

Während die Berghänge häufig mit Bergkiefern bewachsen sind, überwiegen auf den ungerodeten Talflächen des Ortes Tannen- und Fichtenwälder.

Bei dem salzführenden Gestein im Bereich Berchtesgaden-Bad Reichenhall handelt es sich um ein Haselgebirge. Sein durchschnittlicher Salzgehalt beträgt um die 50 Prozent, kann aber zwischen 0 und 90 Prozent schwanken.

Klima

Das Berchtesgadener Klima wird als thermisch und aktinisch reizmäßiges Hochgebirgsklima beschrieben, das auch von Föhnwinden geprägt ist. Die Jahresmitteltemperatur beträgt 7,2 °C. Der wärmste Monat ist der Juli mit durchschnittlich 16,3 °C, der kälteste der Januar mit −2,7 °C im Mittel. Die Differenz zwischen dem Maximum und dem Minimum, die Amplitude, beträgt 19,0 °C. Es sind für den Ort ganzjährig Niederschläge zu verzeichnen, deren mittlere Menge mit 126 Millimetern pro Monat angegeben wird. Spitzenwerte werden im Juli mit durchschnittlich 219 Millimetern, die geringsten Niederschlagsmengen im November mit 85 Millimetern gemessen. Das Klima ist somit humid. Der Jahresniederschlag liegt mit 1514 Millimetern über dem deutschen Durchschnitt von 700 Millimetern

Juengere Stadtgeschichte

Nachdem Landrat Karl Theodor Jacob den Süden des Landkreises Berchtesgaden am 4. Mai 1945 kampflos übergeben hatte, wurde der Markt Berchtesgaden von US-Truppen, die zum Teil der 3. US-Infanteriedivision angehörten, und einigen Franzosen besetzt. Die amerikanische Besatzungsmacht bestätigte Landrat Jacob und Bürgermeister Sandrock vorerst im Amt. Bereits am 7. Mai setzte sie jedoch den Juristen Karl Kollmann als neuen Bürgermeister ein, dem am 28. Mai 1945 der ebenfalls von der Besatzungsmacht berufene, als regimekritisches NS-Opfer bekannte einheimische Wissenschaftler Rudolf Kriß folgte; Kollmann war fortan Zweiter Bürgermeister.

Als Folge des Krieges nahm die Gemeinde Flüchtlinge aus den Ostgebieten des ehemaligen Deutschen Reiches auf. Dadurch veränderte sich die Zusammensetzung der Bevölkerung Berchtesgadens deutlich. Die Heimatvertriebenen, insbesondere Deutschböhmen und Schlesier, konnten anfangs nur in ehemaligen Arbeiterbarackenlagern untergebracht werden. Sie lebten zum Teil bis in die 1960er-Jahre im Flüchtlingslager Vockenbichl in der Oberau, das für die SS errichtet worden und dann von der US-Army belegt war, oder sie wurden in Privathäuser und -wohnungen eingewiesen.

Die NS-Grundstücke gingen 1947 formell in das Eigentum des Freistaates Bayern über, jedoch nutzten die Amerikaner einen Großteil der Gebäude und des Geländes weiterhin. Sie richteten im unzerstörten Berchtesgaden ab 1953 eines der drei Armed Forces Recreation Center (AFRC) in Bayern ein.

Nach dem Krieg wies die Entwicklung der Gästeübernachtungen im Berchtesgadener Land und damit auch in Berchtesgaden erneut eine rapide steigende Tendenz auf. Allein in den fünf Wirtschaftsjahren von 1948/49 bis 1952/53 stiegen sie bei durchschnittlich siebentägiger Verweildauer nahezu um das Vierfache auf insgesamt 1.127.272 Übernachtungen an.

Gerade zu Beginn der 1950er-Jahre wurden auch die seinerzeit noch existierenden Hinterlassenschaften des NS-Regimes am Obersalzberg zu einem Anziehungspunkt für Touristen. Als die Sprengung und Entsorgung der Ruinen einstiger Wohnhäuser, unter anderem von Adolf Hitler, anstanden, wurden heftige Proteste seitens der Berchtesgadener laut, die „darin ausschließlich ein wirtschaftliches Problem“, ja eine „Existenzfrage“ des Fremdenverkehrs sahen. Damit das Abtragen der Ruinen nicht zum Anlass „spontaner neofaschistischer Erinnerungs- oder Abschiedsveranstaltungen“ wurde, hatte Bayerns Innenminister Wilhelm Hoegner dort 30 Landpolizisten postieren lassen. Am Ende verbuchte es Landrat Jacob als Erfolg, dass das Kehlsteinhaus erhalten blieb. Dabei war Berchtesgaden und der Obersalzberg keineswegs nur „Wallfahrtsstätte für Ewiggestrige“,sondern gehört regelmäßig zum Besuchsprogramm amerikanischer Salzburg-Touristen, die sich weit weniger von den Zeugnissen der Vergangenheit als zum Beispiel vom Kehlsteinhaus-Panorama „überwältigen“ ließen.

Im Königlichen Schloss Berchtesgaden führte das Landgericht Traunstein 1952 einen Prozess gegen den Forstmeister Georg Küßwetter. Dessen im Mai 1946 angezettelte Brandstiftung und Sprengung des einstigen Wehrmachthauses auf dem Blaueisgletscher, das zur neuen Blaueishütte ausgebaut werden sollte, hatten wegen Küßwetters touristenfeindlicher Beweggründe bundesweites Aufsehen erregt.

1962 wurde in der Locksteinstraße der Neubau des Kreiskrankenhauses Berchtesgaden eingeweiht. Nach der Eingemeindung Salzbergs saniert, ist dieses Krankenhaus seit 1997 als Kreisklinik Berchtesgaden Teil des Verbundes Kliniken Südostbayern.

Vom 1. März 1968 bis 1991 war im Haus Glück Auf in Maria Gern eine sogenannte Kurzschule untergebracht, die Jugendlichen eine sinnvolle Freizeitgestaltung u. a. unter dem Gesichtspunkt der Hilfsbereitschaft nahezubringen suchte.

Von der Gebietsreform bis zur Gegenwart

Im Zuge der bayerischen Gebietsreform hatte sich am 1. Januar 1972 durch die Eingemeindung der drei vorher selbstständigen Gemeinden Au, Maria Gern und Salzberg die Einwohnerzahl Berchtesgadens nahezu verdoppelt und die Gebietsfläche um ein Mehrfaches erweitert. Im Gegenzug musste der Markt Berchtesgaden am 1. Juli 1972 seinen Status als Kreishauptort und den Sitz des Landratsamtes an die Große Kreisstadt Bad Reichenhall abgeben. Das schloss die Auflösung des Amtsgerichts Berchtesgaden ein und die Übertragung seines Zuständigkeitsbereichs an das Amtsgericht Laufen. Aus dem 1939 begründeten Landkreis Berchtesgaden wurde der neue, erweiterte Landkreis Berchtesgadener Land, dem der Markt seitdem angehört.

Der Hauptsitz der Nationalparkverwaltung des 1978 gegründeten Nationalparks Berchtesgaden wurde zunächst im Rathaus eingerichtet, wechselte 1982 schließlich in das ehemalige Wohnhaus des Bezirks-Amtmannes am Doktorberg. Nach anfänglich großen Widerständen der Bevölkerung und von Kommunalpolitikern wurde der Nationalpark Berchtesgaden zu einem der Markenzeichen des gesamten Talkessels. Zusammen mit seinem Vorfeld bildete er den Alpenpark Berchtesgaden, der 1990 von der UNESCO als Biosphärenreservats Berchtesgaden ausgewiesen wurde. Im Juni 2010 erfolgte seine Erweiterung zum Biosphärenreservat Berchtesgadener Land mit insgesamt 840 Quadratkilometern Fläche. An den Park, der sich mit 210 Quadratkilometern über Höhen von 603,3 (Königssee) bis 2713 m ü. NN (Watzmann) erstreckt, schließt sich im Norden ein auf rund 630 Quadratkilometern erweitertes Nationalparkvorfeld an, das neben dem Markt Berchtesgaden alle Kommunen des Landkreises Berchtesgadener Land umfasst. Nach Schließung des Nationalpark-Hauses (1988–2013) in den Räumen des Franziskanerklosters Berchtesgaden wurde am 24. Mai 2013 in der Hanielstraße ein neues Umweltbildungs- und Informationszentrum des Nationalparks Berchtesgaden als Haus der Berge eröffnet.

Mit dem Abzug der US-Streitkräfte 1996 ging die Nutzung der Liegenschaften auf dem Obersalzberg an den Freistaat Bayern als Eigentümer über. Die Landesregierung entschied sich für ein Zweisäulenkonzept, das auf der Einrichtung der Dokumentation Obersalzberg (Eröffnung: 1999) und dem Bau des Fünf-Sterne-Hotels InterContinental Berchtesgaden Resort (Eröffnung: 2005) beruhte. Dies bedingte den Abriss des Hotels General Walker, einen von der US-Armee genutzten, seinerzeit größten Gebäudekomplex aus der NS-Zeit, sowie die Verlegung der Bushaltestelle zum Kehlsteinhaus.

Eine Bürgerinitiative beantragte 2004/2005 einen Bürgerentscheid mit dem Ziel, die fünf Gemeinden des Talkessels zu einer Großgemeinde zusammenzulegen. Lediglich in Berchtesgaden hatte der Bürgerentscheid mit über 60 Prozent Zustimmung Erfolg. In Schönau am Königssee und Bischofswiesen scheiterte er hingegen, so dass die Initiatoren auf Abstimmungen in Ramsau und Marktschellenberg verzichteten.

Anfang Juni 2013 waren auch der Markt und hier insbesondere die Ortsteile Maria Gern und Salzberg (Kläranlage) von dem „Jahrhundert-Hochwasser“ durch Überflutungen und Murenabgänge betroffen.

Berchtesgaden als Kunstobjekt

Neben Caspar David Friedrich haben über die Jahrhunderte hinweg nicht wenige bildende Künstler, insbesondere Landschaftsmaler, Grafiker und Kupferstecher, Berchtesgaden und seine Umgebung als Motiv für ihre Ölgemälde und Buchillustrationen benutzt.

Musikalisch wird Berchtesgaden unter anderem widergespiegelt in der Kindersinfonie-

Insbesondere Ludwig Ganghofer setzte Land und Leuten von Berchtesgaden und Umgebung in einer ganzen Reihe seiner Romane ein literarisches Denkmal. Vom 4. bis 7. Juli 1925 fand in Berchtesgaden zu seinen Ehren eine erste große Ganghofer-Feier mit Festprogramm und Festschrift statt. Daneben ist auch noch sein Zeitgenosse Richard Voß zu nennen, dessen Bestseller-Roman Zwei Menschen Motive aus dem Leben der den Tourismus am Obersalzberg begründenden Judith Platter aufgegriffen hat und mehrfach verfilmt wurde.

Peter Ostermayr wurde 1955 für seine zahlreichen in Berchtesgaden und im Berchtesgadener Land gedrehten Filme zum Ehrenbürger des Marktes ernannt.

Wirtschaft

Berchtesgadens Wirtschaftskraft beruht in der Hauptsache auf der touristischen Verwertung seiner Kulturgüter sowie der landschaftlichen und heilklimatischen Vorzüge innerhalb der hochalpinen Region. So sind laut dem Bayerischen Statistischen Landesamt nur wenige der in der Gemeinde sozialversicherungspflichtig beschäftigten Arbeitnehmer im produzierenden Gewerbe, jedoch mehr als die Hälfte mittelbar oder unmittelbar als selbstständige oder angestellte touristische Dienstleister tätig. Allerdings sind die Zahlen der Gäste und ihrer Verweildauer seit 1991 rückläufig, so dass die Gemeinde als Mitglied der Berchtesgadener Tourismus Land GmbH neue Akzente setzen will und den Tourismus künftig umweltverträglicher zu gestalten sucht.

Aufgrund ihrer Lage in der Mitte des Talkessels übernahm die Marktgemeinde für die umliegenden Gemeinden auch beim Tourismus eine zentrale Funktion. Nicht zuletzt deshalb leisteten die umliegenden Gemeinden in jüngerer Vergangenheit Zuschüsse zur Finanzierung zahlreicher eigentlich allein vom Markt als Mittelzentrum zu schaffenden zentralen Einrichtungen, wie das Kur- und Kongresshaus und das Hallen- und Erlebnisbad Watzmanntherme.

Es gibt in Berchtesgaden keinen industriellen Großbetrieb sondern lediglich kleinere Betriebseinheiten. Größter Arbeitgeber ist das Salzbergwerk mit 135 Arbeitnehmern, dem an zweiter Stelle die Kurdirektion (einschließlich der Saisonkräfte) mit 100 Beschäftigten folgt.

Nach den Zahlen des Bayerischen Landesamtes für 2008 haben von insgesamt 2936 sozialversicherungspflichtig beschäftigten Arbeitnehmern in Berchtesgaden nur 517 (17,6 Prozent) einen Arbeitsplatz im produzierenden Gewerbe. Daneben sind in der Land-, Forstwirtschaft und Fischerei 94 (3,2 Prozent), in Handel, Verkehr und Gastgewerbe 982 (33,5 Prozent), bei Unternehmensdienstleistern 277 (9,4 Prozent) und bei öffentlichen und privaten Dienstleistern 1066 Arbeitnehmer (36,3 Prozent) beschäftigt. Mehr als die Hälfte der Arbeitsplätze sind mit dem Tourismus in Verbindung zu bringen.

Hellmut Schöner stellte zudem Anfang der 1980er-Jahre fest, dass es innerhalb des „inneren Landkreises Berchtesgaden“ nur wenige Betriebe mit mehr als 50 Beschäftigten gab. Für die Gemeinde wurde das Salzbergwerk mit 135 Arbeitnehmern als größter Arbeitgeber, an zweiter Stelle die Kurdirektion (einschließlich der Saisonkräfte) mit 100 und an dritter Stelle das Hofbrauhaus Berchtesgaden mit 65 Beschäftigten verzeichnet.

Bekannte Personen aus Berchtesgaden

In Berchtesgaden sind neben vielen namhaften Sportlern wie Georg Hackl und Anja Huber auch Bildende Künstler, Musiker und Schriftsteller zur Welt gekommen. Der Ort war und ist zudem Wirkungsstätte und Wohnort vieler nicht aus Berchtesgaden stammender Sportler, Wissenschaftler und Schriftsteller wie zum Beispiel Ludwig Ganghofer und Carl von Linde. Auch hatten einige der hochrangigsten Nationalsozialisten (u. a. Adolf Hitler, Martin Bormann, Hermann Göring und Albert Speer) während des so genannten „Dritten Reichs“ einen Wohnsitz innerhalb des „Führersperrgebiets“ auf dem zu Berchtesgaden gehörenden Obersalzberg – deren Wirken wird seit 1999 nun auch innerhalb Berchtesgadens ausführlich und kritisch in der Dokumentation Obersalzberg beleuchtet.

Markt Berchtesgaden – Oberbayern
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